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Geschrieben von: Sören Wittstock   
Sonntag, den 24. Oktober 2010 um 14:00 Uhr

Reformationsfest

2017 - 500 Jahre Thesenanschlag

Jedes Jahr blicken wir einmal zurück auf die Anfänge der evangelischen Kirche. Wir blicken zurück auf fast 500 Jahre bewegte Geschichte einer Befreiung, einer Klarstellung, einer Erneuerung des Glaubens. In den Jahren zwischen 1517, dem Thesenanschlag, und 1648, dem Ende des 30jährigen Krieges und dem 80jährigen Unabhängigkeitskrieg der Niederlande, war diese Erneuerungsbewegung nur ein Teilerfolg.

Luther auf dem Reichstag in Worms

Die Bibel, die Evangelien, Jesus als den menschgewordenen Gott wieder ins Zentrum zu rücken, den Ablasshandel (Geld gegen Vergebung) abzuschaffen und allein den Glauben als Garant für Gottes Gnade zu bezeichnen führte zur Spaltung der westlichen Kirchen und die evangelischen Kirchen entstanden.

LutherObwohl der Beginn heute auf das Jahr 1517 festgeschrieben wird, waren die Ursachen für den zunächst schwelenden Konflikt innerhalb der Kirche schon viel älter. Auslöser war die Geldnot in Rom für den Bau des Petersdomes und die Geldnot Albrechts von Brandenburg, der bei den Fuggern in der Kreide stand um sich ein weiteres Amt kaufen zu können. Papst und Albrecht schlossen einen Deal, wie beide durch den frisch eingeführten Petersablass profitieren können. So zog alsbald Johann Tetzel durchs Magdeburger Bistum und trieb Geld ein, indem er Gottes Vergebung für Geld feilbot. Er hatte relativ leichtes Spiel, denn seine Argumente waren vom Großteil der Bevölkerung nicht widerlegbar, die Bibel gab es noch nicht auf deutsch. Martin Luther, seit 1512 bereits Professor in Wittenberg, übte jedoch scharfe Kritik am Ablasshandel. Der Ablasshandel war durch nichts in Gottes Wort gedeckt und stand sogar dazu im Widerspruch: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Jesus in Joh 14,6) Christus allein ist der Weg, ob man Geld für die Ablassbriefe ausgibt und auf jeder Stufe der Spanischen Treppe (Scalinata di Trinità dei Monti) in Rom zehn "Ave Maria" und drei "Vater Unser" spricht oder nicht  spielt keine Rolle. In seinen 95 Thesen prangerte er diesen Missbrauch des Wortes Gottes an und machte seine Kritik öffentlich.

Für seine offene Kritik, die später auch noch ins Deutsche übersetzt wurde und nun vom ganzen Volk verstanden wurde, statt im kleinen Kreis der Gelehrten zu bleiben, musste er sich mehrfach verantworten. Trotz mehrerer gescheiterter Versuche Luthers Thesen zu widerlegen drohte ihm Papst Leo X. am 15. Juni 1520 den Kirchenbann an. Luther verbrannte diese Drohung aus Rom nach Fristablauf aus Protest gegen die Verbrennung seiner Schriften. Dies führte zu seiner Verbannung am 3. Januar 1521. Trotz seiner Verbannung konnte er dank des Einflusses seines Landesherren Friedrich dem Weisen in Worms auf dem Reichstag vorsprechen. Die berühmtesten Worte, die ihm in den Mund gelegt sind, sind wohl die, die er in Worms gesprochen haben soll: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!"

Luther in WittenbergHier stehe ich...

... so lautet der Titel des Werkes von Ottmar Hörl auf dem Wittenberger Marktplatz, das im August 2010 zu sehen war. Hörl nahm die originale Lutherfigur und fertigte 800 knapp einen Meter hohe Kopien an. In Rot, Grün, Schwarz und Blau standen sie Seite an Seite in Wittenberg. Laut Hörl sollten Sie die Verbreitung der Bibel durch Luther als Übersetzer verdeutlichen. Die Bibel verkaufte sich in Deutsch im ersten Jahr nach der Übersetzung (1522) 3.000 mal, innerhalb von 15 Jahren schon 200.000 mal.

Einen dieser Lutherzwerge hat Pfarrer Bartels nun im Gepäck. Die Affalterer werden im Gottesdienst am Reformationstag noch mehr erfahren.

Lutherzwerg in Lößnitz

Allein...

Seit der Reformation gelten für uns diese wesentlichen Lehren:

sola gratia - allein durch die Gnade Gottes wird der glaubende Mensch errettet, nicht durch seine Werke (Leistungen)

sola fide - allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke

sola scriptura - allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die kirchliche Tradition

solus Christus - allein die Person, das Wirken und die Lehre Jesu Christi können Grundlage für den Glauben und die Errettung des Menschen sein

soli Deo Gloria - einzig zur Ehre Gottes, lehrt, dass Gott allein Ehre gebührt, durch sein Wirken in der Erlösung des Menschen durch die Auferstehung Jesus Christi

Das ist viel wichtiger als Kürbisse.

Luther in Wittenberg

Lesen Sie dazu auch die Beiträge vom letzten Jahr zum Streitgespräch zwischen Luther und Eck und zur Rechtfertigungslehre.

Quelle Fotos aus Wittenberg: Gottfried Seifert


 
Sprich ja zu meinen Taten, hilf selbst das Beste raten; den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende.
(Paul Gerhardt)
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