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Geschrieben von: Gastautor   
Sonntag, den 19. Juli 2009 um 00:00 Uhr

Die Heilige Schrift ist ein Kräutlein; je mehr du es reibst, desto mehr duftet es.

Martin Luther (1483–1546)

Bibel

Eine wunderbare Anleitung zum Verstehen der Heiligen Schrift ist dieser Satz Luthers. Und zugleich eine heftige Kritik an all den Zeitgeistern, denen es nie schnell genug gehen kann, die alles sofort und plötzlich verstehen wollen. Geduld, sagt Luther, die Heilige Schrift öffnet sich dir. Du musst nur etwas Geduld haben und ein wenig an den Wörtern reiben wie an einem Kraut aus dem Garten.

Kraut

Die Bibel gehört gewiss zu den Büchern, die es im Zeitalter des Tempos besonders schwer haben. Das am meisten verkaufte Buch der Welt wird am wenigsten gelesen. Das hat auch mit der Bibel selbst zu tun. Wer weiß schon um die Hintergründe der biblischen Schriften? Wer weiß noch von den zeitlichen Umständen, in denen die Schriften entstanden sind? Als Jugendliche in einem evangelischen Gemeindehaus kürzlich gefragt werden, was denn ein Bischof den ganzen Tag lang mache, sagt eine 15-Jährige: Er denkt über das Geld nach und ernennt Päpste. Da gibt es schon ein ziemliches Durcheinander in den Köpfen und Herzen. Das gilt auch für viele Texte der Bibel. Wie können wir dem begegnen?

Nur mit Geduld. Und mit ehrlicher Information, die nicht belehrt, sondern das ruhig erzählt, was man selbst glaubt. Und dann immer wieder auch mit einem Blick in diese Bibel, bei der ja viele oft schon sprachlich an ihre Grenze kommen. Das soll uns nicht schrecken. Auch biblische Worte verstehen sich nicht „einfach so“ oder „von selbst“.  Sie brauchen entweder eine menschliche Frage, die aus dem Herzen kommt – oder sie brauchen das, was Luther sich wünscht: Dass man einen Satz ein wenig in seinem Herzen trägt und sich „daran reibt“. Und dann öffnet sich auch dem sonst Bibelunkundigen der Satz: Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, du bist bei mir.


 
Es gibt nur gegenseitige Freiheit und keine begrenzte Freiheit. Freiheit ist nicht die Tochter, sondern die Mutter der Ordnung. (Pierre Joseph Proudhon)
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