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Geschrieben von: Pfarrer Becher   
Samstag, den 20. Juni 2009 um 09:22 Uhr

Was wir geben können -  Allianzgottesdienst zum Salzmarkt 2009

Lesung

Das Leben der Gemeinde

Die Menschen, die zum Glauben gekommen waren, trafen sich regelmäßig. Sie ließen sich von den Aposteln unterweisen, pflegten ihre Gemeinschaft, brachen das Brot und beteten. Die Menschen in Jerusalem wurden von Furcht ergriffen. Denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Alle Glaubenden hielten zusammen und verfügten gemeinsam über ihren Besitz. Immer wieder verkauften sie Grundstücke oder sonstiges Eigentum. Sie verteilten den Erlös an alle Bedürftigen - je nachdem, wie viel jemand brauchte. Tag für Tag versammelten sie sich als Gemeinschaft im Tempel. In den Häusern hielten sie die Feier des Brotbrechens und teilten das Mahl voll Freude und in aufrichtiger Herzlichkeit. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Der Herr ließ täglich weitere Menschen zur Gemeinde hinzukommen, die gerettet werden sollten.

Geben

Geschichte im ICE

In einem Abteil des ICE von Hannover nach Frankfurt sitzen eine Mitarbeiterin der Kinderkirche und ein Manager. Er liest den Wirtschaftsteil der FAZ, sie blättert in den Vorbereitungsunterlagen für den nächsten Freitag. Ihr erster Impuls ist, die Unterlagen so zu halten, dass er nicht sieht, dass sie von der Kirche ist und sich mit Kinderarbeit beschäftigt. Am besten überhaupt ein Gespräch vermeiden.

ICE
ICE at Amsterdam Centraal, WikiMedia Commons, Autor: james-in-europe

Ab Göttingen ging der Plan schief.
Der Manager faltete die Zeitung sorgfältig zusammen, begann mit harmloser Konversation und war schnell bei seinem Beruf, offensichtlich seinem Lieblingsthema. Seine Firma stellte Verpackungen für Zahnpastatuben her und er hatte gerade ein neues Beschäftigungsmodell entwickelt, das dem Standort Deutschland völlig neue Impulse geben würde.
Die Frau war beeindruckt, wie ein Mensch so von der Bedeutung seiner Tätigkeit überzeugt sein konnte, ganz für eine Sache leben.
In diesem Moment aber kam die Frage, die sie die ganze Zeit gefürchtet hatte: „Und was machen Sie so?“
Da kam der Heilige Geist über die Frau.
Sie setzte sich kerzengerade hin und lächelte: „Ist ja interessant“, sagte sie, „ich glaube, wir haben ganz ähnliche Geschäftsinteressen. Wir haben gerade auch ein völlig neues Konzept für den Standort Deutschland entwickelt. Allerdings arbeiten wir weniger mit Verpackungen als mit Inhalten. Wir wenden theologische Basisprinzipien an, um eine positive Modifikation der Persönlichkeit unserer Klienten herbeizuführen.“
Er hatte keine Ahnung, wovon sie redete, hätte das aber nie zugegeben.
„Äh, irgendwie habe ich schon einmal davon gehört“, meinte er. „Haben Sie ein Büro in Frankfurt?“ „Oh, wir haben mindestens eins in jeder Stadt. Von Alaska bis Kasachstan. Wissen Sie: Die neuen Märkte sind für uns alte Hüte.“
Ihm fiel die Kinnlade runter. Man sah richtig, wie er sein Gehirn durchstöberte, um diese große Firma zu identifizieren, über die er sicher schon mal in der FAZ gelesen hatte.
„Tatsächlich arbeiten wir“, fuhr die Frau fort, „auf internationaler Ebene. Unsere Führungsebene plant, bis zum Ende der Geschäftsperiode mindestens ein Standbein in jedem Land der Welt zu haben.“ Sie legte eine Kunstpause ein. „Haben Sie auch so etwas vor?“
„Äh, nein, noch nicht“, stammelte er. „Aber Sie haben Ihre Führungseben erwähnt. Wie machen die das?“
„Es ist ein Familienunternehmen. Es gibt einen Vater, einen Sohn und einen ..., ja, einen guten Geist. Nun ja, die drei halten alles am Laufen.“
„Es muss ein Haufen Kapital im Spiel sein“, sinnierte er.
„Meinen Sie Geld?“ fragte die Frau, „ja, das nehme ich auch an. Niemand weiß genau, wie viel, aber wir machen uns auch unsere Gedanken darüber. Der Chef scheint immer genug zu haben.“
„Und die Mitarbeiter?“ fragte der Mann.
„Oh, die sollten Sie mal sehen. Sie haben einen ganz besonderen Geist, der das Unternehmen prägt. Es läuft ungefähr so:
Der Vater und der Sohn gehen so liebevoll miteinander um, dass die Liebe sich auf die Mitarbeiter überträgt und sie sich untereinander auch lieben.
Ich weiß, es klingt altmodisch, aber ich kenne Menschen bei uns, die wären bereit, füreinander zu sterben. Wie ist das bei Ihnen?“
„Noch nicht so weit“, sagte der Mann und änderte seine Strategie: „Sie haben sicher gute Vergünstigungen?“
„Allerdings“, strahlte die Frau, „ich habe eine Überlebensversicherung, Alters- und Todesvorsorge, alles auf Kosten des Chefs. Und das Beste: Er hat für mich ein großzügiges Appartement in einer riesigen, tollen Wohnanlage reserviert, da kann ich einziehen, wenn ich mit der Arbeit hier fertig bin.“
„Äh“, sagte er verwirrt, „wissen Sie, eins beschäftigt mich noch. Ich lese viel, und wenn Ihr Unternehmen wirklich so ist, wie Sie es beschreiben, warum habe ich dann noch nie davon gehört?“
„Eine gute Frage“, sagte sie. „Vielleicht lesen Sie die falsche Zeitung. Immerhin blicken wir auf eine 2000 Jahre alte Tradition zurück. Aber vielleicht möchten Sie sich uns anschließen? Wir bieten ein Orientierungsseminar an für Menschen wie Sie. Menschen, die weiterkommen wollen.“
„Weiterkommen, ja“, warf der Mann ein. „Aber wohin?“
„Oh“, sagte die Frau, „ genau auf diese Frage haben wir uns spezialisiert.“

Was wir geben können

„Silber und Gold habe ich nicht“ sagt Petrus zu dem Gelähmten vor der Tempeltür, der um Almosen bettelt "aber was ich aber habe, das gebe ich dir:
Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!"

Wir müssen uns nicht verstecken mit unserem Glauben. Die Gemeinde Jesu hat Lebensangebote hervor gebracht, die bis heute auch für die Gesellschaft von Interesse sein können. In der Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir davon gehört.

Wo Christen in der Kraft des Hl. Geistes ihren Glauben leben geschieht "Bemerkenswertes". Die Christen der ersten Generation wurden wahr genommen von ihren Mitmenschen. Wunder und Zeichen durch die Apostel. „Es kam Furcht über alle Seelen“. Wie werden wir wahr genommen von unseren Mitmenschen? Was ist unser Erscheinungsbild nach außen? Werden wir wahr genommen als Menschen, die beiden Beinen im Leben stehen und doch mit Gott zu rechnen und ihm auch Außerordentliches Zuzutrauen? Was tun wir für unser äußeres Erscheinungsbild?

Wo Christen in der Kraft des Hl. Geistes ihren Glauben leben wächst Gemeinschaft. Sie hielten zusammen, die Christen der Urgemeinde. Sie lebten zusammen, wie eine große Familie. Sie haben sich gegenseitig unterstützt und geholfen. Gemeinsam waren sie stark. In einer Welt, da die Menschen trotz totaler technischer Vernetzung immer einsamer werden, ist wahrhaftige, herzliche Gemeinschaft ein gutes Angebot.

Wo Christen in der Kraft des Hl. Geistes ihren Glauben leben, lernen sie es, miteinander zu teilen.

Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Die ersten Christen entwickeln ein „soziales Bewusstsein“, das sich nicht nur in schönen Reden und Wahlprogrammen ausdrückt, sondern zur Tat wird. Wir wollen nicht behaupten, dass uns die Bereitschaft zum Teilen in die Wiege gelegt worden wäre. Aber wer immer sich ernsthaft mit dem Evangelium beschäftigt, kommt daran nicht vorbei.

Sie hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen  und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Von ihren Gottesdiensten und Zusammenkünften ging ein Geist der Freude aus. Eine aufrichtige Herzlichkeit prägte das Miteinander. Das wurde wahr genommen und zog auch andere an.

Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.


Die Urgemeinde war „wachstumsorientiert“. „Der Herr fügte hinzu!“, steht da, das stimmt. Aber in eine Gemeinde, die sich öffnet, die aufnahmebereit ist und immer wieder Mauern nieder reist, auch die Mauern der frommen Sprache Kanaans. Öffnen bedeutet dabei keineswegs, sich anpassen oder imitieren, was die Welt vormacht. Wir müssen nur leben, was wir sind, nämlich Bürger des Reiches Gottes.

Was wir geben können

„Silber und Gold haben wir nicht“, aber was Gott in seiner Güte uns geschenkt hat, das wollen wir gern weiter geben.

 
Amen

 


 
„Warst du in der Kirche auch schön brav?“, will die Mutter von der kleinen Monika wissen. „Natürlich, Mama, ich habe auch höflich ,Nein danke’ gesagt, als mir ein Mann einen Beutel voll Geld angeboten hat."
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