Nichts ist gewisser als der Tod; nichts ist ungewisser als seine Stunde.
Anselm von Canterbury (1033–1109)
Ein zeitlos wahrer Satz ist das. Ich glaube, hat der große Erzbischof und Kirchenlehrer Anselm auch gesagt, ich glaube, um zu erkennen. Und so erkennt er den großen Zwiespalt, in dem jedes Leben gelebt werden muss: In der Gewissheit des Todes und zugleich der Ungewissheit seiner Stunde. Ein Zwiespalt ist nicht schön. Manchmal tut er weh. Wie also entkommt man solch einem Zwiespalt?
Zum einen, indem man ihn beim Namen nennt. Das tun viele leider nicht. Lieber tun sie so, als lebten sie ewig, als käme der Tod nur zu anderen. Keinerlei Gedanke wird daran verschwendet, keine Vorsorge getroffen, mit niemandem wird darüber geredet. Die Gewissheit des Todes wird einfach weggedacht. Darum muss man sich nicht kümmern, heißt es oft unausgesprochen. Aber das Leben verkrampft, wenn man Gewissheiten einfach übergeht. Der Zwiespalt tut nur noch mehr weh. Also muss erstens gesagt werden: Denkt daran! Sprecht darüber! Nichts ist gewisser als der Tod. Aber dann kommt er gar nicht, der Tod. Jedenfalls nicht heute. Darum gilt als zweites: Sorgt euch unaufgeregt auch um das, was größer ist als der Tod. Was ihn überdauert, seine Macht kleiner macht und die Furcht vor ihm besiegt. Solange die Stunde des Todes noch nicht gekommen ist, gilt es, das Leben in Würde zu leben und zu bestehen. Also in Liebe. Nur sie ist größer als der Tod. Nur sie ist Gott gleich. Und dann? Dann verliert der Tod etwas von seinen Schrecken. Und der Zwiespalt auch. Es stimmt: Ich lebe auf den Tod hin. Es stimmt aber auch: Der Tod führt mich zu dem, der die Liebe war, ist und bleiben wird. Bei ihm wird kein Tod mehr sein.
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