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Geschrieben von: Gastautor   
Samstag, den 31. Oktober 2009 um 00:00 Uhr

Reformation

längst vergangen?

Die Wirkung von Luthers 95 Thesen gegen den Ablass von 1517 hat das Leben der Menschen bestimmt wie kein anderes Ereignis des 16. Jahrhunderts.

ReformationAus dem Protest wurde eine Dynamik, die bis zum Augsburger Religionsfrieden von 1555 Europa veränderte. Nach fast vier Jahrzehnten Streit über die Religionsfrage bedeutete dieser Friedensschluss das Eingeständnis, dass die Reformation weder durch Kirchenpolitik noch mit Gewalt beseitigt werden konnte. Fortan wolle man die Anhänger der anderen Konfession in Frieden „bleiben lassen“: Katholiken sollten in katholischen Territorien unbehelligt bleiben und Protestanten in evangelischen Ländern leben dürfen; in Reichsstädten, in denen bisher beide Konfessionen vertreten waren, sollte es weiterhin ein friedliches Miteinander geben.

Bis heute spiegelt die Landkarte Deutschlands das Ergebnis des Augsburger Friedens vor über 450 Jahren wider: Während Katholiken in den vormals evangelischen Territorien in Ost- und Norddeutschland weiterhin in der Minderheit sind, leben evangelische Christen im Westen und Süden der Republik vielfach in der Diaspora. Auch die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen nach 1945 hat die konfessionellen Verhältnisse in Deutschland verändert, aber nicht grundsätzlich verschoben.

Und die inneren Wirkungen der Reformation? Kein deutscher Schriftsteller hat Sprache, Frömmigkeit und Kultur in deutschen Landen so nachhaltig geprägt wie Luther. Seine reformatorische Erkenntnis ist jedoch weit weniger bekannt als Luthers kirchenpolitische Wirkung. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Freiheitsgewinn der Reformation längst selbstverständlich ist in den modernen Gesellschaften – und konsequent ausgebaut wurde. Dass keine irdische Macht die individuelle Gottesbeziehung der Menschen bestimmen darf, ist eine Erkenntnis der Reformation: In Fragen der Religion und der Weltanschauung entscheidet allein die persönliche Überzeugung. Keine politische Macht kann durch politischen Druck Gesinnungen erzeugen. Zudem bedeutet Luthers Protest gegen die „Werkgerechtigkeit“, dass der Wert des Menschen nicht an seine Leistungsfähigkeit gebunden ist. Diese Erkenntnisse münden in die Errungenschaften der Demokratie und des Sozialstaates. Inzwischen wird Politik daran gemessen, ob sie den längst selbstverständlichen Freiheitsgewinn der Reformation angemessen verteidigt und ausbaut. Das Recht auf eigene Lebensentscheidungen und persönliche Freiheit ist nicht zu haben ohne gerechte Teilhabe am Reichtum einer Gesellschaft, die von Voraussetzungen lebt, die sie sich selbst nicht geben kann.

 

Quelle Bild: T.Schreiber


 
„Dem Tobias müssen Sie mal ins Gewissen reden, Herr Pfarrer, der kennt so viele unanständige Liedtexte“, beschwert sich Sabine. – „Singt er sie dir vor?“ – „Das nicht – aber er pfeift sie!“
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