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Geschrieben von: Gastautor   
Montag, den 02. November 2009 um 00:00 Uhr

10 JAHRE GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR RECHTFERTIGUNGSLEHRE

Meine Mutter ist evangelisch, mein Vater katholisch. Dass sich die Konfession, in die ich (zufällig) hineingeboren bin, im praktischen Leben spaltend auswirken kann, lernte ich erst in der Schule. Nicht, dass ich keinen Unterschied zwischen beiden Konfessionen sähe. Doch dieser „Unterschied“ ist für mich nicht so sehr „trennend“. Dass diese meine Sichtweise für viele Protestanten schwer zu verdauen ist, musste ich in manchem Gespräch erst begreifen lernen. Heute kann ich wenigstens einen Unterschied nachvollziehen, der mir früher nicht so deutlich war. Die Art, wie die meisten Katholiken unangenehme Verlautbarungen aus Rom oder von Bistumsleitungen aussitzen, durchwinken oder schlicht ignorieren, widerstrebt dem protestantischen Selbstverständnis.

Für evangelische Christen bleibt hier hängen: kein Protest – keine Auseinandersetzung – keine Abgrenzung – keine Position. Und die, die solcher Art „rheinischem Katholizismus“ zu Recht die klare Linie absprechen, sind ihrerseits so vielfältig (so unübersichtlich!), dass innen wie außen Stehende kaum auszumachen vermögen, wer in der evangelischen Kirche mit welcher Stimme für wen spricht. Das tut freilich der Begegnung auf Gemeindeebene keinen Abbruch. Dort treffen die Pfarrerin, der Dechant und die Gemeindereferentin mit ähnlichen Voraussetzungen und Aufgaben auf Christinnen und Christen, die sich in ihren verschiedenen Gemeindestrukturen ganz pragmatisch bewähren und vielfach einfach gut zusammenarbeiten.

Ja, ich wünsche mir mehr Ökumene. Aber wenn manches daran scheitert, dass bestimmte Denkmuster nicht aufgegeben werden sollen, wenn sich Menschen daran abarbeiten, die theologische Differenz so ins Gewicht fallen zu lassen, dass sie vom umfassend Gemeinsamen ablenkt, dann will ich Langmut zeigen. Katholisch und evangelisch, das ist für mich – sehr pointiert und damit sicherlich auch irgendwie falsch ausgedrückt – wie das erste und zweite Fernseh-Programm. Beide unterscheiden sich, und doch bin ich in beiden gut aufgehoben gegenüber vielem, das bunter, glatter, effektheischender daherkommt, dem aber schlicht die Tiefe fehlt.


 
Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht.
(Paul Gerhardt)
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