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Geschrieben von: Gastautor   
Sonntag, den 27. September 2009 um 00:00 Uhr

Die Wittenberger Nationalsynode vom 27. September 1933

Amtskreuz des Braunschweiger Bischofs und Nationalsozialisten Wilhelm Beye (1903–1975), der im Januar 1934 in sein Amt eingeführt wurde.Vielfach wird der Barmer Synode vom Mai 1934 gedacht, die der nationalsozialistischen Gleichschaltung mit mutigen Worten entgegentrat. Der Nimbus der Synode, die den Widerstand der Bekennenden Kirche richtungweisend aufbaute, ist immer noch stark. Er nährt das Selbstbewusstsein des Protestantismus als einer Konfession der Unabhängigkeit, der Mitbestimmung und der Freiheit.

Aber auch Synoden können falsche Wege beschreiten; dies zeigte Monate vor Barmen die Nationalsynode am 27. September 1933. An der Wiege des Protestantismus, in der Lutherstadt Wittenberg wählte sie Ludwig Müller zum Reichsbischof. An den Gräbern Luthers und Melanchthons wurde er in der Schlosskirche in sein Amt eingeführt.

Erstaunlich zügig war im NS-Staat die Kirchenverfassung der deutschen Landeskirchen zu einer „Deutschen Evangelischen Kirche“ umgebaut worden. An ihre Spitze sollte ein Reichsbischof treten; auch im Protestantismus hielt damit das Führerprinzip Einzug. Der Militärpfarrer und Beauftragte Hitlers für die Evangelische Kirche Ludwig Müller wurde nach einer erfolglosen Kandidatur Friedrich von Bodelschwinghs als Einziger nominiert und in der Stadtkirche der Lutherstadt einstimmig gewählt.

Die Wittenberger Nationalsynode markiert einen traurigen Tiefpunkt des synodalen Prinzips in der evangelischen Kirche; ohne nennenswerten Widerstand hatte Müller sein Amt antreten können. Im feierlichen Festgottesdienst stand eine ganze Reihe von feldgrau uniformierten Theologiestudenten im Chor der Schlosskirche.

Lediglich am Rande regte sich Protest.

Den beginnenden Widerstand gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung zeigten Flugblätter, die an Telegraphenmasten und Häuserwänden hingen. Sie waren von den aus Berlin angereisten Pfarrern Martin Niemöller, Dietrich Bonhoeffer und Franz Hildebrandt in der Stadt und an die Synodalen verteilt worden.

Diese Eingabe von 2.000 Pfarrern des Pfarrernotbundes stellte den ersten wirkungsvollen evangelischen Protest dar, der sich gegen den Druck der Gewalt und gegen die NS-Gleichschaltungspolitik wandte. Ein Stimmrecht auf der Nationalsynode hatten sie nicht. Aber sie hatten Rückhalt. Monate später widersetzte sich die Bekennende Kirche offen der deutschchristlichen Kirchenregierung – und plädierte auf Freien Synoden für eine von staatlichen Eingriffen unangetastete evangelische Kirche.

Der Kampf für die Freiheit des Protestantismus – daran erinnert das traurige Beispiel der Wittenberger Nationalsynode – wird nicht immer von kurzlebigen Mehrheiten entschieden. Es braucht dafür einen längeren Atem und eine Hellsichtigkeit, die sich von inszenierten Demonstrationen nicht blenden lässt.

 


 
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