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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 16. Dezember 2009 um 00:00 Uhr

Quäler, Richter, Vater

Welches Gottesbild machen wir uns in Lößnitz?Gott ist kein Quäler, wenn auch
der Richter und immer der Führer;
und über allem der Vater.

Jochen Klepper (1903–1942)

Jetzt wissen wir also, wie Gott ist. Der Journalist und Theologe Jochen Klepper hat es in seinen Tagebüchern festgehalten. Zugleich hat er damit auch aufgeschrieben, wie Gott von vielen Menschen befürchtet wird – eben als ein Quäler. Als einer also, der willkürlich und ohne erkennbaren Sinn Menschen leiden lässt oder doch das Leiden nicht verhindert. So kann man Gott befürchten, das ist wahr. Und wenn man Menschen sprechen hört, die Leid zu tragen haben, dann klingt es aus ihren Herzen, als sei Gott vollkommen ungerecht, jedenfalls zu ihnen.

Jochen Klepper hätte allen Grund gehabt, auch so zu fühlen. Er, evangelischer Ehemann und Vater einer jüdischen Ehefrau mit Kindern, sah im Leben keinen Weg mehr für sich. In der Drangsal der Nationalsozialisten nahm er sich im Advent 1942 das Leben. Warum also stimmt er nicht ein in den Chor derer, die Gott als Quäler anklagen und verurteilen?

Weil er in Gott vor allem den Vater sieht. Freilich auch den Richter, aber über allem den Vater. Das kann er, weil er Gott nicht aus den eigenen Augen sieht und nicht nur aus dem eigenen Herzen, sondern mit den Augen Jesu. Er fühlt Gott, wie Jesus ihn fühlt. Das ist sein großes Geheimnis. Klepper vertraut nicht nur auf sich und sein Fühlen, sondern fühlt, wie Jesus fühlt. Und Jesus, das ist ohne Zweifel, fühlt Gott als Vater bis zum letzten, schweren Augenblick. Ihm vertraut Klepper mehr als sich selber.

Glaube vertraut eben nicht nur den eigenen Erfahrungen, so wichtig die auch sind. Mein Glauben, Lieben und Hoffen vertraut immer auch dem, was Jesus fühlte, dachte und sagte. Und im Zweifel vertraut mein Herz mehr dem, was Jesus fühlte. Schließlich ist er es, der mit Gottes Hilfe die Welt schon überwunden hat.  

 

 


 
„Dem Tobias müssen Sie mal ins Gewissen reden, Herr Pfarrer, der kennt so viele unanständige Liedtexte“, beschwert sich Sabine. – „Singt er sie dir vor?“ – „Das nicht – aber er pfeift sie!“
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