Kirche Lößnitz - Affalter informiert: Aktuelle Infos Glaubensleben Inventur
Inventur Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 27. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Inventur

Eine Inventur tut manchmal Not."Wegen Inventur bleibt unser Geschäft heute und morgen geschlossen"

so lese ich es auf dem Zettel an der Ladentür.

Wie ärgerlich, ausgerechnet heute wollte ich hier einkaufen; und an die Inventur habe ich überhaupt nicht gedacht. Ich rüttele doch noch vorsichtig an der Tür, aber sie ist verschlossen. Und durch die Scheibe sehe ich das Personal mit Listen vor den Regalen stehen und die Bestände prüfen. Na klar, sage ich mir im Weitergehen, die Inventur muss sein; dass ich das wieder vergessen habe. Und ich denke mir: Eigentlich brauchen nicht nur die Geschäfte und Banken solch eine Inventur; genauso wichtig ist Inventur bei mir, in meinem Leben.

Auch daran denke ich viel zu wenig. Da sind nicht Bestände zu zählen, es geht um eine andere Bestandsaufnahme, mit der ich mein Leben durchchecke: Was mache ich mit meiner Zeit, was ist mir gelungen, was nicht? Worauf möchte ich in Zukunft mehr achten, was habe ich übersehen? Wo habe ich meine Zeit sinnlos vertan, wofür möchte ich mir mehr Zeit nehmen?

Für solche Durchsicht kann es helfen, sich Worte aus der Bibel zu vergegenwärtigen, Worte aus dem 90. Psalm:

Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hochkommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.

Unverhohlen wird da von der Endlichkeit unseres Lebens gesprochen. Wir haben nicht unendlich viel Zeit, unsere Lebenszeit ist begrenzt. Mir macht das keine Angst; nein, es hilft mir eher zum Leben: Dass mein Leben einmal zu Ende sein wird, erinnert mich da-ran, wie kostbar meine Zeit ist. Bei den Zigeunern gibt es einen Fluch, der lautet:

Mögest du 1.000 Jahre leben.

So lange zu leben, wäre schrecklich, weil die Zeit da ihren Wert verlöre. Gerade die begrenzte Zeit macht mein Leben einmalig und schön.

Umso nötiger, ab und zu Inventur zu machen, zu prüfen, was wirklich wichtig ist. Je deutlicher mir vor Augen steht, dass mein Leben ein Ende hat, desto sorgfältiger werde ich darauf achten, worauf ich meine Zeit verwenden will. Worüber kann ich mich freuen, wofür will ich kämpfen? Wodurch wird mein Leben reich und schön? Im 90. Psalm heißt es darum weiter:

Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Wer lebt im Wissen um seine Endlichkeit, der kann klug leben. Jeder neue Tag lässt sich dann begreifen als Geschenk Gottes, als ein Tag, an dem ich meine Zeit vertun kann oder sie nutzen: für etwas Sinnvolles, für etwas Schönes, für Begegnungen mit anderen oder für mich allein. Darum tut es gut, dann und wann Inventur zu machen.

 

 

 


 
Aus einem Schulaufsatz:
„Als Jesus lebte, gab es im Heiligen Land eine furchtbare Krankheit: den Aufsatz.“
Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Lößnitz-Affalter | Rathausplatz 3 | 08294 Lößnitz | Tel: +49 3771 55510
Alberoda - Affalter - Brunnstädtel - Dittersdorf - Dreihansen - Hasenschwanz - Niederlößnitz - Stein - Streitwald