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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 10. Februar 2010 um 00:00 Uhr

Mut zur Enttäuschung

Die Eroberung Jerusalems durch Kreuzfahrer. Darstellung aus dem 11. Jahrhundert.Wie kannst du noch zur Kirche stehen, die dich doch immer wieder enttäuscht hat in der Vergangenheit – es sei nur an Kreuzzüge und Hexenverfolgung erinnert – und die dich immer wieder enttäuscht, wenn sie sich als lebensfremd erweist, wenn sie sich fast nur noch mit Strukturen beschäftigt?

Wie kannst du noch an Gott glauben, wenn er dich immer wieder enttäuscht – schau doch nur in die Welt, wie sie ist?“ Ich will diese Fragen, denen ich immer wieder begegne, nicht leichtfertig beiseite schieben, nicht einfach als zu oft gehörte Glaubens- und Kirchenkritik abtun. Drei Gedanken sind mir als Antwort wichtig:

Erstens: Was soll an die Stelle von Glaube und Kirche treten, wenn ich ihnen enttäuscht den Rücken zukehre? Die Konzentration allein auf eine Beziehung, auf Ehe und Familie? Humanistische Ideale? Die Politik? In all diesen Dingen sind wir doch auch nicht vor Enttäuschungen sicher; die hohen Scheidungszahlen legen davon ebenso beredtes Zeugnis ab wie es momentan die Wähler der SPD tun könnten. Daraus folgt:

Zweitens: Wer sich auf das Leben einlässt, ist nie vor Enttäuschungen sicher. Vor Enttäuschung schützen nur Gleichgültigkeit und Resignation. Doch angesichts dieser Alternative bin ich lieber lebendig und gehe das Risiko von Enttäuschungen ein. Enttäuschung und Resignation haben nicht von vornherein recht und deshalb möchte ich immer wieder neu anfangen mit dem Glauben und mit der Kirche. Für mich lautet das Motto eines Christen (gerade auch dann, wenn ich von mir selbst enttäuscht bin, weil ich die von mir gesteckten Ziele nicht erreicht habe): Nicht aufzuhören, immer wieder neu anzufangen und nie anzufangen, aufzuhören. Und ich empfinde es auch als einfacher, als beglückender und befreiender, die Hoffnung auf Gott festzuhalten, als niedergeschlagen alle Enttäuschungen zu bejammern. Es ist für mich einfacher, beglückender und befreiender, auch schwere Enttäuschungen im Leben zu ertragen, als alles verlorenzugeben.

Drittens: Ich bin mit meinen Enttäuschungen nicht allein. Als Christen leben wir in einer Gemeinschaft, in der wir Ermutigung erfahren und ermutigen können. Und wir sind nicht allein, weil Gott uns in allen Enttäuschungen nicht allein lässt. Paulus fordert uns im Römerbrief auf: „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet.“ Dann erfahre ich, dass es einfacher, beglückender und befreiender ist, auch dann weiterzubeten, wenn es anders läuft, als ich mir das vorgestellt habe. Denn Gott hört bestimmt, auch wenn er manchmal anders antwortet, als ich das von ihm erwarte. Das mag kindisch klingen. Aber es hat den großen Vorteil, dass solches Leben und Glauben mich vom Ballast der Enttäuschungen befreit.

Also: Mut zur Enttäuschung.

 


 
In der Ministrantenstunde fragt der Pfarrer: „Welcher Unterschied besteht zwischen einer Eucharistiefeier und einem Wortgottesdienst?“ – Caroline hat aufgepasst: „Wenn eingeschenkt wird, ist es immer eine Eucharistiefeier.“
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