Kirche Lößnitz - Affalter informiert: Aktuelle Infos Glaubensleben Das Vaterunser II
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Geschrieben von: Gastautor   
Sonntag, den 28. Februar 2010 um 00:00 Uhr

Das Vaterunser - das Gebet des Herrn - Teil II

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Geheiligt werde Dein Name

Jesus lehrt seine Jünger. Fresco im Markuskloster in Florenz von  Fra Angelico (1395-1455)Grundschulkinder wurden einmal gefragt, was ihnen heilig sei. Die Antworten machten deutlich, wie die Kinder das Wort „heilig“ interpretierten: Heilig war, was ihnen wichtig, zum Teil existenziell wichtig gewesen ist.

Eine Antwort, mit der wir uns der ersten Bitte des Vaterunsers nähern können. „Geheiligt werde dein Name“: Dein Name ist mir wichtig, es ist mir existenziell wichtig, dich im Gebet anzusprechen.

Doch die Bitte um die Heiligung des Namens Gottes enthält viel mehr: Es ist eine Mahnung vor dem Versuch, Gott vollständig erklären; ganz in den Bereich menschlichen Verstehens hineinzwängen zu wollen. Gerade der Versuch, menschliches Leid mit dem Wirken Gottes erklären zu wollen, stellt eine Entheiligung des Namens Gottes dar. Vielmehr ist die Bitte „Geheiligt werde dein Name“ die Bitte, dass Gott die unheile Welt heilen möge.

Und zugleich ist die erste Vaterunser-Bitte ein heimliches Sündenbekenntnis, eine Bitte um Vergebung. Denn im Namen Gottes sind zahllose Verbrechen begangen worden. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber schreibt: „Welches Wort der Menschensprache ist so missbraucht, so befleckt, so geschändet worden wie dieses! All das schuldlose Blut, das um es vergossen wurde, hat ihm seinen Glanz geraubt.“ Doch nicht nur Religionskriege haben den Namen Gottes entheiligt, auch in meinem Leben gibt es Bereiche, die Gott „niemals mit seinem Namen unterzeichnen könnte“, wie es der Theologe Helmut Thielicke sagt, der daraus folgert, dass man das Vaterunser nur dann zur Ehre Gottes beten kann, „wenn man es zugleich gegen sich selbst betet“, weil diese Bitte Ausdruck des Wunsches ist, dass Gott das Wichtigste in meinem Leben ist.

Genauso wenig wir den Missbrauch des Namens Gottes ungeschehen machen können, genauso wenig können wir aufhören, um die Heiligung des Namens Gottes zu bitten. Noch einmal Martin Buber: „Wir können das Wort ,Gott’ nicht reinwaschen, und wir können es nicht ganz machen; aber wir können es, befleckt und zerfetzt wie es ist, vom Boden erheben und aufrichten über einer Stunde großer Sorge.“ Die Bitte „Geheiligt werde dein Name“ bittet Gott das zu tun, was wir selbst so oft nicht können. Dass Gott seinen Namen heilige, weil wir darauf hoffen dürfen, dass auch wir heil werden, wenn Gottes Name einmal geheiligt sein wird.

 

Das Vaterunser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 


 
Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.
(Martin Luther)
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