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Geschrieben von: Gastautor   
Sonntag, den 21. März 2010 um 00:00 Uhr

Das Vaterunser - das Gebet des Herrn - Teil V

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Wie im Himmel so auf Erden

Jesus lehrt seine Jünger.Wenn wir die Vaterunser-Bitte „Dein Wille geschehe“ mit den Worten ergänzen „wie im Himmel, so auf Erden“, doch dann in dem Wissen, dass das, was hier auf Erden geschieht allzu oft nicht dem Willen Gottes, sondern dem Willen des Menschen entspricht. Der Mensch nutzt seine ihm von Gott gegebene Freiheit eben auch, um sich gegen Gott zu entscheiden. Dennoch will Gott den Menschen als einen Partner mit freiem Willen. Deshalb bedeutet die Bitte „Dein Wille geschehe“ nicht die fatalistische Resignation gegenüber irgendeiner „Schicksalsmacht“, sondern die freie Entscheidung für Gottes Willen, der sich in Jesus Christus uns Menschen offenbart hat.

Seit ihm gibt es eine Geschichte des Willen Gottes auf der Erde; seit Jesus hat der Willen Gottes für uns jeden Schrecken verloren. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir auch die Bitte „Dein Wille geschehe“ an unseren Vater im Himmel richten, deshalb brauchen und dürfen wir diese Bitte nie resignierend beten, nie verzweifelnd seufzen, sondern sie ist immer Ausdruck unseres Vertrauens und der Hoffnung, dass Gott wie Dietrich Bonhoeffer bekennt „aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“

Die Bitte „Dein Wille geschehe“ entlässt uns dabei nicht aus der Verantwortung. Auch wenn sich der Wille Gottes in Jesus offenbart hat, stehen wir doch in der Verantwortung, zu ermitteln, was der Wille Gottes in unserer Zeit praktisch bedeutet – und dies dann auch zu tun.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. In dem sehr lesenswerten Buch „Am Vaterunser das Leben lernen“ schreibt der Franziskanerpater Josef Tasch: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Das heißt doch: Der Himmel komme auf die Erde, und die Erde werde zum Himmel. Die Konsequenz daraus müsste aber dann geradezu lauten: nicht Geist der Ergebung in das Weltgeschehen, sondern Geist der Revolution, damit jetzt schon etwas mehr Himmel auf die Erde kommt.“ Hier zeigt sich wieder einmal, wie aktuell und lebensnah das Vaterunser ist; ein Gebet, das uns wirklich hilft, das Leben zu lernen – das ganz alltägliche Leben mit seinen Sorgen, Zweifeln und Fragen.

 

Das Vaterunser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


 
Armut ist in der Stadt groß, aber die Faulheit viel größer.
(Martin Luther)
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