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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 24. März 2010 um 00:00 Uhr

Zeit zum Aufwachen

Zwei Auseinandersetzungen haben in den letzten Wochen und Monaten neu ein Licht geworfen auf das Verhältnis von Kirche und Staat, von Glaube und Gesellschaft.

Aufwachen!

Da ist zunächst eine immer weiter um sich greifende Aushöhlung des Sonntagsschutzes, da immer mehr Städte immer mehr Sonntage zu verkaufsoffenen Sonntagen erklären. Und da ist eine erneute Diskussion über das Kreuz in öffentlichen Gebäuden – ausgehend von einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Straßburg, das das Aufhängen von Kreuzen in italienischen Klassenzimmern untersagte.

In beiden Auseinandersetzungen geht es um Religionsfreiheit, präziser gesagt, um die Freiheit von Religion einerseits und die Freiheit zur Religion andererseits. Was ist schützenswerter? Die Möglichkeit ohne Beschränkungen religiöser Überzeugungen zu jeder Zeit einkaufen und Umsätze erwirtschaften zu können oder die Freiheit, auch als Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer das Gebot der Sonntagsruhe beachten zu können? Der Wunsch einzelner Eltern, dass ihre Kinder ohne das Symbol des Kreuzes lernen können oder der Wunsch vieler, dass das Kreuz ihre Kinder auch in der Schule begleitet? Das europäische Gericht hat in dem Italien betreffenden Urteil die Religionsfreiheit Einzelner höher eingeschätzt als das Recht auf freie Religionsausübung vieler. Eine fatale Entwicklung, die die Religionsfreiheit als Freiheit von Religion höher bewertet als das Recht auf freie Glaubensausübung. Was ist zu tun?

Zunächst müssen wir Christen deutlicher machen, worum es geht. Natürlich ist das Kreuz Symbol der humanistischen, abendländischen Tradition und der europäischen Identität, aber das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Zuallererst ist das Kreuz Zeichen des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu und damit Zeichen unserer Erlösung. Und das muss auch so gesagt werden. Und natürlich ist der Sonntag wichtig für die Familien und für soziale Aktivitäten, aber auch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Zuallererst ist der Sonntag der Tag des Herrn, an dem wir im Gottesdienst seiner Auferstehung gedenken und an dem wir zur Sonntagsruhe aufgerufen sind. Und auch das muss so gesagt werden.

Als Zweites dürfen wir Christen nicht aufhören für unsere Symbole und unsere Überzeugungen einzutreten. Und zwar nicht nur für die, die glauben, sondern auch für die, die nicht glauben. Denn wie wird eine Gesellschaft aussehen, die noch stärker als jetzt unter dem Diktat von Konsum und Wirtschaft steht? Und welchen Idealen wird eine Gesellschaft folgen, deren einzig verbliebenes Symbol der Kürbis des Halloweenfestes ist? Es wird Zeit für uns Christen aufzuwachen und gegen einen immer aggressiver auftretenden Säkularismus die Stimme zu erheben.



 
Im Religionsunterricht will der Lehrer von Andreas etwas über die Sakramente wissen. „Was sind die sichtbaren Zeichen beim Abendmahl?“ – „Brot und Wein“, meint darauf Andreas. „Prima, und was sind die sichtbaren Zeichen bei der Taufe?“ – „Kaffee und Kuchen?“
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