Kirche Lößnitz - Affalter informiert: Aktuelle Infos Glaubensleben Das Vaterunser IX
Das Vaterunser IX Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gastautor   
Sonntag, den 18. April 2010 um 00:00 Uhr

Das Vaterunser - das Gebet des Herrn - Teil IX

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Und führe uns nicht in Versuchung

Jesus lehrt seine Jünger.

Diese Vaterunser-Bitte hört sich zunächst unverständlich an; so als wäre es Gott selbst, der den Menschen in Versuchung führt, ihm eine Falle oder ihn auf die Probe stellt. Diesem Missverständnis ist entgegenzutreten. Heißt es doch schon im Jakobusbrief: „Niemand, der in Versuchung gerät, halte Gott für den Versucher “ (1,13). Doch weil Gott seine Liebe nicht mit Macht durchsetzen will, sondern den Menschen die Freiheit gegeben hat, sich auch gegen ihn zu entscheiden, lässt er es zu, dass Menschen in Versuchung geraten.

Deshalb bitten wir in dieser Bitte darum, dass wir unsere Freiheit nicht zum Bösen missbrauchen und – wenn wir doch einen falschen Weg eingeschlagen haben – die Kraft und die Einsicht von Gott geschenkt bekommen, umzukehren. Was bedeutet eigentlich „Versuchung“? Zunächst denken wir dabei an sexuelle Verfehlungen, doch ein Blick auf die Versuchungen Jesu in der Wüste schärfen den Blick. Der Teufel bietet Jesus Möglichkeiten, mit denen er seinen Auftrag, das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen, erfüllen kann: Steine in Brot zu verwandeln gegen den Hunger in der Welt; ein Wunder, um den Glauben zu fördern; die Macht, die Welt zum Glauben zu bekehren – kurzum: Erfolg zu haben.

Der Wunsch nach Erfolg – und das Gegenteil davon – Resignation bei Erfolglosigkeit, sind vielleicht die größten Versuchungen unserer Zeit. „Erfolgsanbetung ist überhaupt die Form des Götzendienstes, die der Teufel am sorgfältigsten kultiviert“ (Helmut Thielicke). Und aus der Erfolgsanbetung folgt dann das Ärgernis des Kreuzes, der Skandal, dass Gott angesichts des Leides schweigt, ohnmächtig ist. Es geht um die Versuchung, an Gott, irre zu werden, den Glauben an ihn zu verlieren, wenn er sich im eigenen Leben als der Unbegreifliche erweist. Jesus hat das selbst am Kreuz erlebt: die ohnmächtige Macht, die wehrlose Liebe Gottes und in dieser Vaterunser-Bitte möchte er uns anleiten, gerade diesem Gott zu vertrauen:

„Es geht um das In-die-Irre-Laufen des Menschen. Es geht um die menschliche Hybris und menschliche Verzweiflung, um die Not der Gottlosigkeit und stolze Selbstgerechtigkeit oder auch einfach: um Gleichgültigkeit. In all dem geht es um die Möglichkeit des Menschen, zu Gott nein zu sagen.“ (Heinz-Dieter Knigge).

 

Das Vaterunser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 


 

Auch das Leiden ist ein Weg zur Freiheit. Die Befreiung liegt im Leiden darin, dass man seine Sache ganz aus den eigenen Händen geben und in die Hände Gottes legen darf.
(Dietrich Bonhoeffer)

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