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Geschrieben von: Gastautor   
Sonntag, den 25. April 2010 um 00:00 Uhr

Das Vaterunser - das Gebet des Herrn - Teil X

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Sondern erlöse uns von dem Bösen

Jesus lehrt  seine Jünger.

Es ist nur folgerichtig, dass sich an die Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ die Bitte „sondern erlöse uns von dem Bösen“ anschließt, denn die Existenz des Bösen in der Welt führt Menschen immer wieder dazu, an der Existenz eines guten, liebenden Gottes zu zweifeln. Für die Beantwortung der Frage, warum es das Böse in der Welt gibt, ist wieder ein Blick in die Schöpfungserzählung hilfreich. Das Böse begegnet uns fast von Anfang an in der Bibel, jedoch erst nachdem der Mensch erschaffen wurde. Falsch wäre jetzt jedoch der Schluss, das Böse läge im Wesen des Menschen, sondern sie entspringt seiner Freiheit. Die ersten Menschen setzen das Böse in Gang, als sie wie Gott sein wollen; von ihnen ausgehend pflanzt sich das Böse so fort, dass jeder Mensch ihm in seinem Leben ausgesetzt ist. Jeder Mensch wird in eine Welt hineingeboren, in der es das Böse gibt – als eine so mächtige Wirklichkeit, von der sich der Mensch nicht aus eigener Kraft befreien kann.

Wir stellen uns das Böse heute nicht mehr personifiziert in der Gestalt des Teufels vor, doch die Entpersonalisierung des Bösen hat ihm nichts von seiner Gefährlichkeit genommen, das letzte Jahrhundert hat auf unvorstellbar grauenvolle Weise davon Zeugnis abgelegt. Ob wir das Böse nun „Teufel“, „dämonische Mächte“ oder sonst wie nennen, falsch wäre es, von der Vorstellung des Bösen Abschied zu nehmen, denn dann würde die Romanautorin Sigrid Unset recht bekommen, die gesagt hat: „Der beste Schachzug des Teufels in unserer Zeit ist es, dass er die Menschen glauben macht, er existiere überhaupt nicht. Seitdem macht er seine besten Geschäfte.“

Das Böse ist das, was das menschliche Leben bedroht – und dazu gehört nicht nur das, was wir Falsches tun, sondern auch, das, was wir an Gutem unterlassen („Das Böse, dieser Satz steht fest, ist stets das Gute, das man lässt“, Wilhelm Busch). So gilt für jeden Menschen: Ich bin auch böse, denn jeder fügt anderen Menschen Schaden zu oder bleibt zumindest hinter seinen Möglichkeiten, Gutes zu tun, zurück. Deshalb beinhaltet die Vaterunser-Bitte auch die Bitte, das Böse in sich selbst nicht auszublenden, denn wie die anderen Bitten, enthebt uns auch diese letzte nicht der eigenen Verantwortung, das Böse in uns selbst zu bekämpfen: Im Vertrauen darauf, dass nicht die Macht des Bösen allmächtig ist, sondern die auf Liebe und Vergebung gründende Herrschaft Gottes, dem wir uns im Vaterunser anvertrauen.

 

Das Vaterunser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde Dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 


 
Sprich ja zu meinen Taten, hilf selbst das Beste raten; den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende.
(Paul Gerhardt)
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