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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 12. Mai 2010 um 00:00 Uhr

Mai-Gedanken

In einem Büro brennt noch Licht...Ein einsames erleuchtetes Bürofenster in einem riesigen Haus. Das Bild lässt zwei Interpretationen zu: Nur noch einer, der arbeitet, weil alle anderen entlassen sind. Oder: Nur noch einer, der arbeitet, weil alle anderen schon nach Hause gegangen sind und dieser eine noch Überstunden macht. Zwei Interpretationen, die sich nicht gegenseitig ausschließen: Auch in Zeiten, in denen viele Menschen ihre Arbeit verlieren, sind die Überstunden auf hohem Niveau. Muss das sein? Könnte die Arbeit nicht gerechter verteilt werden, damit die, die arbeitslos sind, eine Beschäftigung bekommen und andere nicht bis zur Erschöpfung arbeiten müssen. Könnte es nicht Modelle von „Jobsharing“ geben, bei denen viele ein paar Stunden weniger arbeiten, damit andere Arbeit haben?

Nun, all das ist leichter gesagt, als getan. Denn viele können nicht auf Arbeitsstunden (und den damit verbundenen Lohn) verzichten, weil sie schon mit der Vollbeschäftigung nicht über die Runden kommen, eventuell sogar auf Überstunden angewiesen sind. Andererseits sind Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnverzicht von den meisten Arbeitgebern nicht zu leisten. Also bleibt alles beim Alten? Ich glaube, das muss nicht sein. Nur, dass diese Problematik nicht allein von den Tarifparteien gelöst werden kann. Ich glaube, dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist – Fragen der Preisentwicklung, der sozialen Hilfen, der Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit und vieles mehr gehören dazu. Doch bei aller Fantasie und Kreativität wird es ohne ein Umdenken nicht gehen: Sich nicht hauptsächlich über die Arbeit zu definieren, Anerkennung anderer nicht von deren Leistungsvermögen abhängig zu machen, Zeit für sich selbst und für andere nicht geringer einzuschätzen als materiellen Wohlstand. Zugegeben, das klingt utopisch, für manche weltfremd, doch ist es nicht utopischer als darauf zu hoffen, dass Vollbeschäftigung erreicht werden kann. Und ist es auch nicht besser, ein wenig weltfremd zu erscheinen, statt sich mit dauernder Massenarbeitslosigkeit abzufinden.

Quelle Bild: Abe Mossop - Fotolia


 
Sprich ja zu meinen Taten, hilf selbst das Beste raten; den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende.
(Paul Gerhardt)
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