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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 16. Juni 2010 um 00:00 Uhr

Glauben und Vernunft sind keine Widersprüche

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„Ich glaub’ nur, was ich sehe.“

Das sagt zum Beispiel der Evolutionsbiologe Richard Dawkins – und meint damit: Was naturwissenschaftlich nicht nachweisbar ist, existiert nicht. Kein Wunder, dass sein Buch „Der Gotteswahn“ heißt.

Ein Elefant - wie ein Baum, mit Flügel...

„Ich glaub’ nur, was ich sehe.“ Das sagen auch viele Menschen – fern jeden wissenschaftlichen Anspruchs. Und kommen mir – wie der oben genannte Dawkins – wie die Blinden vor, von denen eine Skulptur in der Bonner Rheinaue erzählt.

Eine Gruppe von Blinden untersucht einen Elefanten, um zu begreifen, worum es sich bei diesem Tier handelt. Jeder untersucht ein anderes Körperteil (aber jeder nur ein Teil), und sie vergleichen ihre Erfahrungen, wobei sie feststellen, dass jede individuelle Erfahrung zu einer eigenen, vollständig unterschiedlichen Schlussfolgerung führt. Sie erkennen einen Teil der Wahrheit, aber eben nur einen Teil. Und so würde es auch den Menschen gehen, die nur glauben, was sie sehen. Dabei gehen wir alle oft von Voraussetzungen im Leben aus, die wir nicht sehen, geschweige denn beweisen können; die Wichtigste, dass wir geliebt werden. Ein Wissenschaftler würde die Liebe – und auch den Glauben – vielleicht auf nachweisbare biochemische Prozesse im Gehirn zurückführen, doch wissen wir, dass Liebe und Glaube mehr sind.

Dabei bedeutet der christliche Glaube nicht, alles zu glauben, ins Fantastische abzuschweifen. Im Gegenteil: Glaube und Vernunft dürfen keine Widersprüche sein. Thomas von Aquin sagte es so: „Ich würde nicht glauben, wenn ich nicht einsehen würde, dass es vernünftig ist zu glauben.“ Und der Philosoph Ludwig Wittgenstein fasste Glauben und Sehen so zusammen: „An einen Gott glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht getan ist. An einen Gott glauben heißt sehen, dass das Leben einen Sinn hat.“ Der gläubige Mensch spürt, dass er durch den Glauben mehr sieht, dass ihm der Glaube die Augen für vieles öffnen kann:

Für die Schönheit der Schöpfung, für die Not des Nächsten, für das Geborgensein in Gott.

„Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter. Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer. Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht.“ (Lothar Zenetti)

 

Quelle Foto: KNA-Bild


 
Sprich ja zu meinen Taten, hilf selbst das Beste raten; den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende.
(Paul Gerhardt)
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