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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 10. November 2010 um 00:00 Uhr

Leere im Gottesdienst

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Liebster Jesu, wir sind vier, dich und dein Wort anzuhören ...

Nur noch eine Kirche weit und breit.... heißt es in einer Verballhornung des Kirchenliedes „Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören ..." von Tobias Clausnitzer aus dem Jahr 1663. Aufs Korn genommen wird der erschreckend niedrige Gottesdienstbesuch in vielen Gemeinden. Die Kirche reagiert darauf vielerorts mit der Zusammenlegung von Gemeinden und Gottesdienstorten.

Das Bild zeigt die Entwicklung in drastisch überspitzter Form: Nur noch eine Gemeinde, in der Gottesdienst gefeiert wird. Natürlich eine Übertreibung, doch eine Übertreibung, die den Finger in die „Wunde Zentralismus" legt.

 

Ich möchte Sie einladen, sich vorzustellen, was es bedeuten würde, keine Kirche mehr zu haben, in der sich die Gemeinde versammelt und Gottesdienst feiert. Nicht nur keine im eigenen Dorf oder Stadtteil (das ist schon schlimm genug), nicht nur keine im Umkreis vieler Kilometer wie in der Diaspora, sondern überhaupt keine, wie es in manchen Ländern der Fall ist, die den Bau christlicher Kirchen verbieten. Was würde fehlen? Zum Beispiel das wöchentliche Atemholen im Gottesdienst. In den Alltag hinein hat uns Gott jede Woche den Sonntag geschenkt. Den Tag, der den Alltag unterbricht, damit wir Kraft schöpfen und uns neu orientieren können. Den Sonntag, der uns im Gottesdienst daran erinnert, dass Gott alle Tage bis zum Ende der Welt bei uns ist. Und es fehlt das Zeugnis der Kirche in der Welt. Nur die in der Welt zerstreute Kirche ist das Salz der Erde. Und deshalb sind alle Anstrengungen zu unternehmen, dass die Kirche vor Ort präsent bleibt. Anstrengungen der Kirchenleitung wie der Gemeinde. Und zugleich die Fixierung auf die Zahlen aufzubrechen: „Liebster Jesu, wir sind vier, dich und dein Wort anzuhören ..." Vier – das ist doch okay: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen", verspricht uns Jesus (Matthäus 18,20). Ein Versprechen, das vom Zwang der großen Zahlen entlastet, doch zugleich keine Entschuldigung für Nichtstun sein darf. William Booth, der Gründer der Heilsarmee, forderte: „Kommen die Massen nicht in die Gottesdienste, müssen die Gottesdienste zu der Masse gebracht werden."

Quelle Foto: Norbert Egdorf


 
Ob es besser wird, wenn es anders wird, weiß ich nicht. Dass es anders werden muss, wenn es besser werden soll, ist gewiss.
(Georg Christoph Lichtenberg)
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