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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 12. Januar 2011 um 00:00 Uhr
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Vor der Zeit

Vor der Zeit statt in der Zeit - keine Zeit mehr für die richtige Zeit

Alles, was heute zeitlich absehbar ist, erleben wir nur noch vor der Zeit. Advent beginnt für die meisten Geschäfte im Oktober; immer weniger Menschen fühlen sich auch gehemmt, dann schon adventlich einzukaufen und zu essen.

Die Zeit - Lößnitzer Turmuhr von innen

Weihnachten und Weihnachtsfeiern von Gruppen und Betrieben beginnen spätestens nach Totensonntag mit den immer zahlreicher und oft auch größer werdenden Weihnachtsmärkten.

Ist die Zeit dann da und das Fest trifft ein, werden noch in der Nacht nach dem 2. Weihnachtstag die Schaufenster für den Jahreswechsel umdekoriert; in den Blumenläden erscheinen sofort Primeln und Hyazinthen, denn spätestens am 2. Januar soll es Frühling werden und Valentinstag und Karneval/Fasching. Ist der dann eingetroffen, ist vieles schon längst österlich geschmückt, denn auch Ostern beginnt vor der Zelt, etwa um den 15. Februar herum.

Es ist kaum zu übersehen, dass bei Eintreffen der jeweiligen Feste dann schon ein gewisser Überdruss herrscht am Fest oder am Ereignis.

Die Hoffnung auf frühe und gute Geschäfte bringt es mit sich, dass vieles vor der Zeit wahrgenommen und oft auch schon begangen wird. Die Werbe- und Geschäftswelt will uns angeblich „einstimmen", in Wirklichkeit nimmt sie alles vorweg.

Es ist keine Zeit mehr für die richtige Zeit; Zeit muss offenbar immer mehr vorweggenommen werden. Dadurch entsteht eine Art Verflüssigen der Zeit. Alles ist irgendwie immer ein bisschen. Es gibt kein Verweilen mehr, kein sich Aufhalten in einer Zeit.

Und Menschen spüren buchstäblich, wie ihnen die Zeit nur mehr noch „verrinnt". Es ist immer Vorzeit von etwas und kaum noch Zeit für etwas.


 
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