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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 09. Februar 2011 um 00:00 Uhr

Gott wieder Platz einräumen

Ein humoriges Bild, eben eine Karikatur, doch als solche auch mit einem wahren Kern.

Selbsterfahrungsgruppe

Auch wenn ich nicht glaube (und nicht hoffe), dass es Kurse zur „Genesis-Erfahrung durch kosmische Schwingungsharmonisierung" oder „Hiob-Erspüren durch Tanzrituale" gibt (und auch in Zukunft nicht geben wird) kann man – so glaube ich – doch feststellen, dass Gefühle, Sinneserfahrungen und die eigene Selbstwahrnehmung einen immer breiteren Raum auch in der Religionsausübung einnehmen.

Mag dies lange Zeit eine berechtigte Gegenbewegung zu einer rein verkopften Religiosität gewesen sein, ist es an der Zeit zu fragen, ob nicht durch die Inszenierung des Ich inzwischen Gott in der Religion nur noch ein Nischendasein führt. Viel geht es im christlichen Glauben inzwischen um Wohlfühlen, um Erlebnis, um Selbstverwirklichung – alles Elemente, die ihre Berechtigung haben – und immer weniger um Christus. Natürlich steht der Mensch, sein Leiden und Hoffen, sein Weinen und Lachen im Mittelpunkt des Glaubens, aber nicht im Bezug auf sich selbst, sondern immer in Beziehung zu Gott. Der christliche Glaube ist nicht Anleitung zur Selbsterlösung des Menschen, sondern individuelle Beziehung zu Gott, der uns geschaffen hat, der uns durch Sterben und Auferstehen in Christus erlöst hat und uns im Heiligen Geist täglich begleitet. Das ist eine Kurzformel des Glaubens, die ich mir nicht erspüren oder ertanzen kann, sondern die mir geschenkt ist.

Quelle Bild: T.Plaßmann


 

Die Glocken klingen, klingen viel anders denn sonst, wenn einer einen Toten weiß, den er lieb hat.
(Martin Luther)

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