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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 13. April 2011 um 00:00 Uhr

Verrat und Verzweiflung

Judas

Zweitausend Jahre Täter. Heuchler, der mit dem Kuss verrät. Verräter aus Habgier. Dieb und Betrüger an den Armen. Judaskuss und Judaslohn – Namensgeber für alles Übel.

Judas

Judas – Täter und Opfer. Das zweite Opfer der Passionsgeschichte. Auch ihm hat sie das Leben gekostet. Verräter und Verzweifelter. Zweitausend Jahre Täter. Und ich weiß nicht, warum.

Aus Habgier? So groß war die Summe nicht – 30 Silberlinge. Reich ist Judas dadurch nicht geworden. Es reichte gerade für einen steinigen, unbrauchbaren Acker. Aus Enttäuschung? Weil er sah, dass Jesus keinen Erfolg haben würde. Aus Hoffnung? Auf ein irdisches Königreich Jesu mit eigenem hohen Posten. Aus Taktik? Damit Jesus endlich seine Depression überwinde – dieses ständige Gerede vom Tod – um ihn herauszureißen aus der Lethargie, endlich handelt, anstatt sich herumschubsen zu lassen.

Vielleicht die Tragik: Judas, Einziger, der meint, Jesus zu verstehen und dann das Falsche tut. Judas, reduziert auf eine Tat. Viel erfahren wir nicht von ihm, was die Bibel erzählt, passt auf eine Seite. Reduziert auf den Verrat. Und Jesus? Er nennt Judas „Freund". Traurige Erinnerung an das, was gewesen ist?

Jesus wusste um den Verrat des Judas. Schon beim Abendmahl. Und dennoch: Er schließt ihn nicht aus. Als Jesus sich in Brot und Wein verteilt, lässt er zu, dass auch Judas ihn empfängt.

Zeichen, das Hoffnung schenkt. Denn, wenn Judas nicht ausgeschlossen wurde, dann ist Gottes Liebe auch größer als unsere Schwäche. Wenn Judas nicht ausgeschlossen wurde, dann wird niemand mehr ausgeschlossen von Gottes Liebe. Wenn Judas nicht ausgeschlossen wurde, dann ist Gottes Liebe größer als unsere Vernunft. Wenn Judas nicht ausgeschlossen wurde, dann umfängt auch ihn die Liebe Gottes, die den Tod überwindet.

Als Judas seinen Verrat erkennt, ist er auch in seiner Reue radikal. Wie Jesus ist auch er allein, verzweifelt, stirbt. Wird es für ihn auch Ostern?

Quelle Foto: Tillmann


 
In der Ministrantenstunde fragt der Pfarrer: „Welcher Unterschied besteht zwischen einer Eucharistiefeier und einem Wortgottesdienst?“ – Caroline hat aufgepasst: „Wenn eingeschenkt wird, ist es immer eine Eucharistiefeier.“
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