Kirche Lößnitz - Affalter informiert: Aktuelle Infos Glaubensleben Sparsam mit der Liebe
Sparsam mit der Liebe Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 01. Juni 2011 um 00:00 Uhr

Liebessaat

Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer. (Sprüche 11,24)

Stimmt das denn? Die Frage muss erlaubt sein, weil Menschen immer wieder eine gegenteilige Erfahrung machen: Dass Undank zum Beispiel der Welten Lohn ist.

Reichliches säen bringt reichlich Ernte

Und dass auch die reichlich ausgesäte Liebe nicht immer Frucht bringt – oder zumindest nicht der Aussäende auch der Erntende ist. Ist angesichts karger Vorräte – an Zeit, an Geld, vielleicht auch an Liebe ein wenig Sparsamkeit nicht sinnvoller?

Ich glaube, wer so fragt, ist in die Haben-Falle geraten, die dem Monatsspruch ein wenig innewohnt, redet er doch selbst davon, reichlich zu geben und immer mehr zu haben. Doch ich glaube, es geht weniger um das Haben und mehr um das Tun. Der französische Existenzialist und Literaturnobelpreisträger Albert Camus (1913-1960) gibt dem Monatsspruch einen anderen Aspekt. Er schreibt 1953 in seinem Tagebuch: „Wer nichts gibt, hat nichts. Das größte Unglück besteht nicht darin, nicht geliebt zu werden, sondern nicht zu lieben." Diese Sätze können auch „umgedreht" werden und lauten dann so: „Wer alles gibt, hat alles. Das größte Glück besteht nicht darin, geliebt zu werden, sondern zu lieben." Und deshalb ist der die Liebe aussäende ein glücklicher Mensch, egal, ob seine Liebe Frucht bringt und ob er die Früchte seiner Liebe ernten kann. Das „Immer-mehr", von dem der Monatsspruch spricht, ist ein „Immer-mehr" an Zufriedenheit, an Glück, an innerem Frieden, an Seligkeit, wie es Jesus sagt. Und wenn ich mit der Liebe geize, dann bin ich arm an Zufriedenheit, Glück, innerem Frieden und Seligkeit. Stimmt das denn?, war meine Frage am Anfang. Nun, über das Verschenken der Liebe kann man letzten Endes nicht theoretisieren, das muss man ausprobieren, um dann reich beschenkt zu sein.


 
Sprich ja zu meinen Taten, hilf selbst das Beste raten; den Anfang, Mitt und Ende, ach Herr, zum Besten wende.
(Paul Gerhardt)
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