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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 22. Juni 2011 um 00:00 Uhr

Der kleine Unterschied

Sind Talarträger anders als andere Christen?

Talare sind bekanntlich nicht nur Pfarrern vorbehalten. Während auch Richter, Anwälte und Professoren bei bedeutsamen Anlässen ihrer Tätigkeit Talare tragen, ziert die evangelische Amtstracht inzwischen nicht nur ordinierte Pfarrerinnen und Pfarrer.

Talarträger

In vielen Gemeinden tragen auch Prädikanten Talare, wenn sie Gottesdienste leiten und predigen.

Damit wird eine auch in anderen Bereichen spürbare Entwicklung deutlich: Die EKD hat auf ihrer Herbstsynode 2009 beschlossen, dass der bislang ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrern vorbehaltene Seelsorgeauftrag weiteren Personen erteilt werden kann. Sofern in der Krankenhaus- oder Notfallseelsorge Christen ehren- oder nebenamtlich tätig sind und eine entsprechende Ausbildung und Befähigung nachweisen, gilt auch für ihre Tätigkeit die Unverbrüchlichkeit des Beichtgeheimnisses.

Damit sind alle seelsorgerlichen Gespräche vom grundgesetzlich verankerten Zeugnisverweigerungsrecht im Straf- und Zivilprozess geschützt. Seelsorge als „aus dem christlichen Glauben motivierte und im Bewusstsein der Gegenwart Gottes vollzogene Zuwendung" ist, wie dieses Kirchengesetz formuliert, längst nicht mehr allein dem Pfarrberuf vorbehalten – sie entspricht als Grundfunktion und „Muttersprache der Kirche" dem Priestertum aller Getauften, zu dem sich die Reformation bekennt.

Darin liegt eine Ermutigung, seelsorgerliche Verantwortung wahrzunehmen. Der besondere Auftrag und die jahrelange universitäre Ausbildung von ordinierten Theologinnen und Theologen sind damit nicht weniger wichtig. Weiterhin sind dem pastoralen Dienst viele Aufgaben vorbehalten – im Gottesdienst, in der Gemeindeleitung und in Funktionspfarrämtern in der Diakonie, in Schulen und im Militär. Aber ebenso wie sich das pastorale Berufsbild erweitert und differenziert, ist der pastorale Auftrag darauf angelegt, in einer geschwisterlichen Dienstgemeinschaft solidarisch erfüllt zu werden. Das Evangelium braucht und nutzt viele pastorale Begabungen – mit und ohne Amtstracht. Der Talar verleiht die pastorale Würde nicht. Er gibt ihr nur eine äußere Form.


 
Gott ist so willig und bereit zu erhören, dass er, noch ehe sie rufen, schon die Wünsche des Herzens erhört. Ja, Gott hat es eiliger zu hören, als jene es haben zu rufen.
(Martin Luther)
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