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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 28. September 2011 um 00:00 Uhr

Rückgrat haben – Rückgrat sein

Politiker haben es auch nicht leicht.

Es ist ein Einfaches, auf Politiker zu schimpfen, sie zu kritisieren, manchmal sogar mit Hohn und Spott zu überziehen.

Rückgrat

Und natürlich gehört Kritik – ohne Hohn und Spott – zum politischen Geschäft hinzu; die Zeiten, in denen die Herrschenden unantastbar waren, sind vorbei.

Doch Kritik an Politikern sollte nicht blind für sich selbst und das eigene Verhalten sein. Vor gut einem Jahr trug eine Ausgabe der ZDF-Talkshow mit Maybrit Illner den Titel: „Haben wir die Politiker, die wir verdienen?" Was ist damit gemeint? Sicherlich mehr als die schlichte Feststellung, dass wir die Regierenden selbst gewählt haben und uns nicht beschweren dürften. Ulrich Wickert wies in der Sendung in eine andere Richtung. Er meinte: „Wir brauchen Politiker, die etwas durchstehen können, die auch mal Streit aushalten." Um in unserem Bild zu sprechen: Wir brauchen Politiker mit Rückgrat. Und das Rückgrat sind wir, die Wählerinnen und Wähler. Was heißt das? Mehrere Punkte sind mir wichtig:

a) Ich glaube, Politiker sind oft nur so wankelmütig, wie die Wählerinnen und Wähler auch. Wenn wir aufgeregt jedem Trend hinterher rennen, heute das bejubeln, was wir morgen schon verdammen, dann sollte es uns nicht wundern, dass wir auch bei Politikern manchmal Standfestigkeit vermissen.

b) Politik erscheint uns immer häufiger als Wahrnehmung einzelner Interessen. Politik – heißt es oft – sorge zunächst einmal für sich selbst. Ich lasse offen, ob das stimmt, sondern frage mich lieber selbst: Erwarte ich von Politikern nicht als Erstes die Wahrung meiner persönlichen Interessen, und erst wenn das geschehen ist, den Blick aufs Gemeinwohl? Wird Politik nicht allzu schnell an der Wahlurne abgestraft, wenn ich mich persönlich im Nachteil wähne? Natürlich ist der Sinn von Wahlen die Korrektur (oder Bestätigung) von Politik, aber wovon mache ich meine Entscheidung abhängig? Und ein Letztes: Politische Entwicklungen brauchen auch Zeit. Gebe ich Politikern diese Zeit oder erwarte ich schnellstmöglich Erfolge? Ich glaube; Wählerinnen und Wähler, die eine eigene Meinung haben und die auch durchhalten, die nicht nur sich selbst im Blick haben und Entwicklungen auch geduldiger abwarten können, könnten Politikern den Rücken stärken. Und der Erfolg unserer Demokratie zeigt, dass es davon auch viele gibt.

Quelle Bild: U.Loose


 
„Mama, wir haben heute drei Stunden Englisch gehabt.“ – „Tröste dich, die Engländer haben das den ganzen Tag.“
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