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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

Das Kreuz annehmen

Vor über zehn Jahren erkrankte mein Vater ein Jahr nach seiner Pensionierung an Speiseröhrenkrebs. Auf die Diagnose folgten Wochen und Monate im Wechsel von Chemotherapie, Bestrahlung und Erholungszeiten.

Kreuz

Eine Zeit des Wartens und des Hoffens: Der Tumor schrumpfte, die Schluckbeschwerden ließen nach und das Essen fiel leichter. Dann kam der Tag der Aufnahme in das Krankenhaus zur ersehnten, Rettung versprechenden Operation.

Nach ein paar Tagen die niederschmetternde Nachricht: „Die Operation ist sinnlos. Im Magen und in der Lunge haben sich Metastasen gebildet." Zwei Tage später war mein Vater tot. Was in der Erinnerung für mich – bei aller Trauer und bei allem Schmerz – das Eindrucksvollste an diesem Morgen war, ist das Gesicht meines Vaters.

Es strahlte Frieden und Ruhe, ja fast Gelassenheit aus. Das Gesicht eines Menschen, der friedlich eingeschlafen war, ohne gegen den Tod zu kämpfen, weil des Kämpfens müde; mit einer Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist. Das heißt für mich, das Kreuz anzunehmen. Das Kreuz annehmen lässt das Kreuz nicht verschwinden. Die Trauer bleibt groß, und das Leben ohne ihn fällt immer noch schwer. Doch für mich ist das Kreuz nicht nur ein Symbol des Todes. Für mich ist es ein Symbol der Hoffnung, da Jesus durch seinen Tod am Kreuz das Tor zu unserer Erlösung weit aufgestoßen hat. Wenn ich das Kreuz verleugnen würde, verleugnete ich auch diese Hoffnung. Es ist nicht immer leicht, an diese Hoffnung zu glauben, der Glaube an dieser Erlösung kommt immer wieder auf den Prüfstein.


 
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