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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 28. Dezember 2011 um 00:00 Uhr

Die Würde der Sekunden

geschenkte Zeit

Manche gucken in der Silvesternacht gebannt auf das Tick-Tack des Sekundenzeigers, auf die letzten Sekunden des alten und den ersten Augenblick des neuen Jahres.

Feuerwerk

Kaum Aufmerksamkeit bekommt eine Stunde später ein anderes Schauspiel: Für eine Sekunde wird die Zeit, werden die Atomuhren angehalten! Seit 1972 wird in unregelmäßigen Abständen in der Neujahrsnacht eine Schaltsekunde eingefügt, wir bekommen eine Sekunde geschenkt.

Denn die Erde ist zu langsam geworden, irgendetwas bremst, sie dreht sich nicht exakt, verliert also den Anschluss an die Zeit. Und darum wird in dieser Nacht die Atomzeit an die Erdzeit angepasst. Wenn dies nicht geschähe, stünde das Ideal der Zeitgenauigkeit auf dem Spiel. Eine Sekunde – nicht der Rede wert!? Ein Jahr von 365 Tagen hat 31.536.000 Sekunden. Doch sind es oft Sekunden, Sekundenbruchteile sogar, die über Leben und Tod, Unglück oder Rettung, Sieg oder Niederlage entscheiden. „Sekundenschlaf", „Schrecksekunde" sind sprechende Worte. Innerhalb einer Sekunde kann ein Mensch sterben und ein anderer zur Welt kommen. Bei Quizfragen im Fernsehen geht es um Sekunden. Die Stechuhr bestimmt unsere Zeit – und viele kommen nicht mehr mit. Wir hasten aus purer Angst, etwas zu verpassen – und verpassen dabei das wirkliche Leben. Wie viele „zappen" sich durch die Zeit, nehmen für Sekunden bruchstückartig flüchtige Eindrücke auf. So wird das Leben zur Aneinanderreihung von verpassten Gelegenheiten. Dass die Erde zu langsam rotiert, das widerspricht unserem Zeitgefühl. Wir spüren, dass es auf der Welt schneller zugeht als früher. Zwar sparen wir mithilfe der Technik viel Zeit bei allen möglichen Verrichtungen des Alltags, aber wir erleben dennoch mehr Stress und Hetze. Bremser sind nicht erwünscht, Bedenkenträger, die vielleicht dem rotierenden Rad in die Speichen greifen, sind lästig. Alles dreht sich und fließt, rotiert immer schneller und hektischer. Rekorde werden eingestellt, Moden wechseln in immer kürzeren Abschnitten, Nachrichten jagen in Lichtgeschwindigkeit über den Erdkreis.

Wir klagen, dass die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt, dass wir keine Zeit „haben" – als hätten wir sie wie Geld und Gut, als könnte uns jemand sagen, wo die Zeit zu finden ist, wenn wir uns fragen: Wo ist nur die Zeit „geblieben"? Lebenskundlichen Unterricht im Zeitverständnis gibt uns Gott in seiner Weihnacht: Inmitten der verfließenden Zeit ereignet sich das Wunder, mit der Geburt des Messias ist „die Zeit erfüllt" (Gal 4,4)! Wir feiern, dass er unsere Zeit, unsere Jahre und Sekunden geteilt hat und ewig unser Zeitgenosse ist. Christus hatte seine irdische Zeit und Stunde. Und er bleibt der Zeit auch im Heute treu! Wir glauben, dass auf jeder Sekunde unseres Lebens, auch auf den verschlafenen, oberflächlich verlebten das Gewicht der Ewigkeit ruht.

Jesus erfüllt alle Zeit und gibt ihr das Vorzeichen. Er ist es, der die Zeit anhält, eine Zäsur setzt, dass wir die Zeit der Jahre nach Christus messen, als habe Gott für einen wunderbaren Augenblick lang die gefräßige Zeit angehalten.


 
Eindrucksvoll schildert der Lehrer den Untergang der Welt den gebannt lauschenden Kindern – so glaubt er wenigstens: „Blitze zucken, Donner rasen, die Erde öffnet sich, die Berge stürzen zusammen …“ Da reckt sich ein ungeduldiger Finger: „Herr Lehrer, haben wir dann schulfrei?“
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