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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 03. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Glaubensfreiheit – jeder nach seiner Façon?

Von der Freiheit eines Christenmenschen.

„Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie bekennen, ehrliche Leute sind“, bekannte Friedrich der Große 1740. Im selben Jahr äußerte er brieflich jenen Satz, der sprichwörtlich wurde. Für Preußen gelte: „Jeder soll nach seiner Facon selig werden.“

Diese Toleranz hatte auch wirtschaftliche Absichten: Die nach Brandenburg geflohenen französischen Hugenotten trugen zum Aufschwung Preußens bei. Die im eroberten Schlesien ansässigen Katholiken sollten durch Friedrichs Duldsamkeit milde gestimmt werden. Die Juden dagegen blieben bis auf wenige Schutzjudenfamilien von der Toleranzpolitik ausgeschlossen.

Es gehört zur aufgeklärten Moderne, den im 18. Jahrhundert begonnenen Weg religiöser Toleranz entschlossen weiterzugehen. Aber Toleranz ist nicht zu verwechseln mit Gleichgültigkeit gegen Regelverletzungen. Ebenso wenig erstreckt sie sich auf jene, die sie abschaffen wollen. Toleranz setzt Interesse voraus und Klarheit über Standpunkte. Sie ist kein phlegmatisches Achselzucken zu abweichenden Meinungen.

Das Christentum hat aus eigenen Verfehlungen gegen das Toleranzgebot und aus den verheerenden Folgen des Antijudaismus gelernt: Nach Abirrungen einer gewaltsamen Missionspolitik gilt das Prinzip des Respekts vor dem Glauben anderer unbedingt. „Das Wort sollen wir predigen, aber die Folge soll Gott heimgestellt sein“, predigte Luther bei seiner Rückkehr von der Wartburg 1522. Freiheit des Glaubens bedeutet, dass Überzeugungen wachsen dürfen – ohne äußeren Druck. Zwang und Glaube schließen sich nach reformatorischer Einsicht aus.

Die Freiheit, den eigenen Glaubensweg zu finden und zu gehen, ist oft bedroht und immer neu zu erkämpfen: Weil Gott allein das Wort lebendig mache „in der Menschen Herzen“, so Luther, „so kann noch soll niemand zum Glauben gezwungen noch gedrungen werden“. Deswegen ist Intoleranz nötig gegen alle, die in Glaubensfragen Unterdrückung und Gewalt einsetzen. Weil Gott jeden Menschen nach seiner Facon geschaffen hat, beginnt jeder Weg zur Seligkeit in Freiheit. Dieses Prinzip gilt auch dann, wenn es nicht wirtschaftlichem Interesse entspricht.


 
Martin Luther nach Lucas Cranach d.Ä.

"Von der Freiheit eines Christenmenschen" ist eines der reformatorischen Hauptwerke von Dr. Martin Luther. Er selbst fasste das Werk in nur zwei Sätzen zusammen:

  • „Ein Christ ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan – durch den Glauben.“
  • „Ein Christ ist ein dienstbarer Knecht aller und jedermann untertan – durch die Liebe.“

 
„Man glaubt gar nicht, wie viel man glauben muss, um ungläubig zu sein!“
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