Kirche Lößnitz - Affalter informiert: Aktuelle Infos Glaubensleben brauchen wir Pfingsten?
brauchen wir Pfingsten? Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gastautor   
Sonntag, den 31. Mai 2009 um 00:00 Uhr

Warum wir Pfingsten brauchen

 

Pfingsten

Jesus hat vor zweitausend Jahren in einem uns fernen Land gelebt. Er hat eine Sprache gesprochen, die wir nicht verstehen würden. Und trotzdem können wir ihn verstehen: Pfingsten sei Dank! Christinnen und Christen leben überall auf der Welt. Den allermeisten werden wir nie begegnen, die allermeisten sprechen eine Sprache, die wir nicht verstehen, die allermeisten verstehen unsere Sprache nicht. Und dennoch sind wir verbunden: Pfingsten sei Dank! So wichtig das Pfingstfest ist, so wenig ist es uns oft vertraut. Anders als Weihnachten oder auch Ostern ist es kein Fest zum Anfassen. Es bleibt unfassbar.

Vielleicht hilft zum Verständnis des Pfingstfestes ein Umweg. Ein Umweg über die Kehrseite von Pfingsten, die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Eine Geschichte, die erzählt, wie die Menschen waren – und wie sie sind. Dass sie keine Grenzen kennen und an die Spitze wollen. Damals mit einem Turm, heute bei der Anhäufung von Geld, bei dem Überschreiten ethischer Grenzen im Bereich der Biologie, bei der Eroberung des Weltraums und, und, und … Gott setzte den Menschen in Babel eine Grenze und verwirrte ihre Sprache. Das ist unsere Vorgeschichte, aus Babel kommen wir. Weil wir hoch hinaus, uns einen Namen machen, Spitze sein wollen und weil dieses Streben oft in Verwirrung und Sprachlosigkeit endet, weil unser Streben keine Rücksicht nimmt auf die Menschen neben uns. Und weil das so ist, brauchen wir auch heute Pfingsten.

Und wenn Babel bis heute wirkt, wieso sollte dann nicht die Pfingstgeschichte bis heute wirken? Wenn Gottes Geist damals Menschen begeisterte – wieso sollte er das heute nicht können? Wenn die Leute damals die Botschaft verstanden, weil sie ihnen direkt zu Herzen ging, warum sollte denn heute dieses Verständnis nicht möglich sein? Woran das liegt, dass uns die uralte Geschichte von Babel so sehr bestimmt und die alte Geschichte von Pfingsten so wenig?

Ich vermute, das liegt daran, dass es uns schwerfällt, die versteckten Anweisungen der Pfingstgeschichte zu befolgen: Denn um Babel rückgängig zu machen, können wir gar nichts tun, sondern wir können nur warten, wie die Jünger damals nichts anderes tun konnten, als auf den Geist Gottes zu warten – einmütig im Gebet verharrt. Der Geist Gottes kommt nicht in mit Plänen und Vorhaben volle Köpfe, sondern in untätige und zum Empfang bereite Menschen. Und er kommt zu Menschen, die nicht nach oben, an die Spitze wollen, sondern alles von oben erwarten. Und die da auf einmal alles verstehen, verstehen die, die Gottes große Taten loben.


 

Babel

 Die Sprachverwirrung, Gustave Doré (1865)

Quelle Foto:T.B. Tillmann


 
Gott ist so willig und bereit zu erhören, dass er, noch ehe sie rufen, schon die Wünsche des Herzens erhört. Ja, Gott hat es eiliger zu hören, als jene es haben zu rufen.
(Martin Luther)
Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Lößnitz-Affalter | Rathausplatz 3 | 08294 Lößnitz | Tel: +49 3771 55510
Alberoda - Affalter - Brunnstädtel - Dittersdorf - Dreihansen - Hasenschwanz - Niederlößnitz - Stein - Streitwald