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Geschrieben von: Gastautor   
Mittwoch, den 17. Februar 2010 um 00:00 Uhr

Glaube und Wissenschaft schließen einander aus!

Oder etwa doch nicht?

"Ich bin vom Scheitel bis zur Sohle Protestant" - Harald Lesch im Interview

Harald Lesch ist bekannter Fernsehmoderator und leidenschaftlicher Astrophysiker. Gleichzeitig ist er Philosoph und mit seinen Interviewpartnern oft auf der Suche nach den Dingen hinter dem Sichtbaren.

Harald Lesch im Interview - Foto: Pro

Sie sind einerseits Astrophysiker, andererseits Fernsehmoderator. Was ist schwieriger: die Sterne erforschen oder im ZDF eine Fernsehsendung machen?

Das Fernsehmachen ist eigentlich relativ leicht. Der Unterschied zwischen Universität und Fernsehen ist: In einem Fernsehstudio sind alle Beteiligten daran interessiert, dass eine gute Sendung dabei herauskommt. Wenn man in der Uni irgendetwas will, sind erstmal alle dagegen. Fernsehen ist fast so etwas wie eine Erholung vom Universitätsdasein. Ab 1. Januar gibt es eine Sendung im ZDF, die heißt "Leschs Kosmos". Da habe ich eine Viertelstunde. Das ZDF hat gemerkt, dass es mir am besten mal eine längere Zeit allein zur Verfügung stellt. Ich bin halt nicht so der Sprinter, sondern eher der Marathon-Moderator, ein Monologist.

Sie haben einmal gesagt: Der Zweifel ist das, was mich am meisten mit Gott verbindet. Was bedeutet das?

Für mich ist die Frage nach Gott ein "Ruf auf die andere Seite". Wenn man versucht, aus den Naturwissenschaften auf die Eigenschaften von Gott zu schließen, dann kann das eigentlich immer nur schief gehen. Ich bin ein großer Freund von Nikolaus von Kues. Der war der Meinung, dass bei Gott alle Widersprüche zusammenfallen müssen. Sogar der Satz vom Widerspruch (eine Aussage darf nicht zugleich wahr und falsch sein) dürfe bei Gott nicht mehr gelten.

Das heißt, alles Reden von Gott muss eigentlich immer voller Zweifel sein, denn was kann ich über Gott schon aussagen? Unser christliches Gottesbild ist ja ein sehr personales, dem ich persönlich auch anhänge, weil ich glaube, dass wir Menschen uns nichts anderes vorstellen können als einen personalen Gott. Wir könnten uns keine rumwabernde kosmische Energie vorstellen, die zwar den Kosmos geschaffen hat, aber mit meinem Schicksal gar nichts zu tun hat. Der Zweifel ist für mich der Weg, der auch im Gespräch mit Gott immer mittendrin steht.

Sie gehen von einem persönlichen Gott aus. In Ihrem Hörbuch "Über Gott, den Urknall und den Anfang des Lebens" sagen Sie aber auch, dass Gott auf die Welt hinunterschaut und zusieht, wie das Leben entstand. Steht ein Gott, der den Zufall und die Evolution walten lässt, nicht im Widerspruch zu einem persönlichen Gott, der willentlich erschafft?

Ja, das ist ein Widerspruch. Daran sehen Sie, wie ich mich mit dem Thema abarbeite. Das ist schon ein Prozess. Es lässt sich schwer fassen, dass es eine Form von Materie gibt – das Leben –, die so ganz anders ist als der Rest des Universums. Denn der ist relativ langweilig: es gibt jede Menge Quarks und Leptonen, die sich an manchen Stellen zu Atomen versammeln. Aber schon der Übergang von unbelebter zu belebter Materie ist ein Mirakel, obwohl auch da mehr und mehr Erkenntnisse gesammelt werden. Aber besonders eigentümlich wird es ja, wenn es am Ende Lebewesen gibt, die mit mehr ausgestattet sind, als eigentlich notwendig wäre. Unser Erkenntnisapparat ist von einer solchen Möglichkeitsbreite, wie es für unser Überleben eigentlich gar nicht notwendig wäre. Das wirft natürlich schon die Frage auf, inwieweit wir mehr sind als nur die Summe unserer Teile. Wir sind offenbar deutlich mehr als nur Substanz. Natürlich stellt sich bei alledem immer wieder die Gottesfrage. Und um diese Widersprüche komme ich nicht herum. Ich bin ja auch kein Theologe. Ich schlage mich ja mehr oder weniger damit herum, wie ich meine Naturwissenschaft mit meiner Philosophie zusammenbringe. Dadurch, dass ich an der Hochschule der Jesuiten Philosophie doziere, ist es eben weltanschaulich geprägt.

Das heißt, auf die Frage: "Sind wir Zufall oder sind wir gewollt?" haben Sie auch keine Antwort?

Ich tendiere zum "gewollt sein". Man fühlt sich ja sehr wohl in der Welt, und man merkt ja auch, dass man gut aufgehoben ist. Das spiegelt sich unter anderem an solchen Erkenntnissen wider, dass die Welt so fein abgestimmt ist, dass wir überhaupt existieren.

Sie sagten einmal: Ein Astrophysiker beschäftigt sich mit den Dingen am Himmel. Beschäftigen Sie sich auch mit den Dingen im Himmel?

(lacht) Ja, scheint so. Witzigerweise werden Astrophysiker oft nach Gott gefragt. Aber kaum einer befragt seinen Bäcker oder seinen Tankwart nach Gott. Das weist darauf hin, dass viele Menschen glauben, Gott sei irgendwo ganz anders, vielleicht Millionen von Lichtjahren weit weg, und die Astrophysiker würden ihn da sehen. Das kann ich nicht so richtig begreifen. Ich habe in meinem Konfirmandenunterricht - und mein Glaube ist ein einfacher Konfirmanden-Glaube -  von einem anderen Gott gehört als von diesem kosmisch weit Entfernten.

Für wie gut bewiesen halten Sie 150 Jahre nach ihrer Veröffentlichung die Evolutionstheorie von Charles Darwin?

Die grundsätzliche Evolutionsfrage lautet ja: Wie hat sich dieses oder jenes entwickelt? Die Erfahrung lehrt: Komplexe Dinge sind zusammengebaut aus einfachen Dingen. Dieser Zusammenbau ist der Entwicklungsprozess, der sich, aus welchen Gründen auch immer, vollzogen hat. Dieser Evolutionsaspekt ist, glaube ich, grundlegend, zumal wir ihn überall beobachten, nicht nur in der belebten, sondern auch in der unbelebten Materie. Wir haben ziemlich gute empirische Hinweise auf ein Modell, das sagt, dass das Universum einen Anfang hatte und sich aus den Anfangseigenschaften alles entwickelt hat, Sterne, auch die Erde, und irgendwann das Leben. Ich denke, in der nächsten Dekade werden wir Planeten entdecken, auf denen es auch Leben gibt.

Was die Lückenhaftigkeit der Evolutionstheorie angeht, kann ich nur sagen: Das gehört zur Wissenschaft dazu. Wissenschaft ist, wenn sie ordentlich betrieben wird, ein transparenter Prozess, wo jede Antwort eine neue Frage liefert. Wir irren uns empor. Aber wir können keine Wahrheitsaussagen machen. Jede Hypothese muss an der Erfahrung scheitern können. Eine Hypothese, die nicht an der Erfahrung scheitern kann, die sollte man am besten irgendwo im stillen Kämmerchen bearbeiten. Bei der Evolutionstheorie ist es nun leider so, dass sie eine Theorie mit einem unglaublich großen Erklärungspotential ist. Aber sie hat keine Prognose. Physikalische Theorien hingegen können eine Vorhersage machen, und die kann man experimentell überprüfen. Die Evolutionstheorie kann immer nur hinterher sagen, warum etwas nicht funktioniert hat.

 

Quelle Artikel: Pro - das Christliche Medienmagazin - das ganze Interview finden Sie hier.
Quelle Foto: Pro 


 
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