Glockenruf

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Jedes Läuten ruft zum Gebet.

Die Glocke im Tageslauf

In unseren Kirchen läutet die Betglocke dreimal täglich. Dazu findet man im Anhang des Evangelischen Gesangbuches ab Nr. 815 auch entsprechende Gebete.

Glocke - Foto: travistravis-flickr

Morgens ruft die Glocke zur Dankbarkeit für die Bewahrung in der Nacht. Und die Bitte um Gottes Beistand für den begonnenen Tag. Mittags zur Bitte um Frieden. Frieden in der Welt, Frieden im Ort, Frieden im eigenen Herzen, Frieden mit Gott. Abends danken wir für den vergangenen Tag und bitten um eine gesegnete Nacht.

Samstag abends wird mit allen Glocken der Sonntag eingeläutet. Wir werden dabei ermahnt uns innerlich und äußerlich für den Sonntag zu rüsten. Wir beten für die Geistlichen, die den Gottesdienst vorbereiten. Für die Mitarbeiter im kirchlichen Dienst.

Am Sonntag Morgen läutet es zunächst vor. Das ist in den Gemeinden unterschiedlich. Meist läutet es eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes mit einer Einzelglocke. Mancherorts wird dieses Vorläuten auch eine halbe Stunde zuvor gegeben. Dieses Geläut ruft die Gemeinde zum Gottesdienst.

Zu Beginn des Gottesdienstes erklingen alle Glocken. Ausnahmen sind dabei besondere Tage im Kirchenjahr, wie beispielsweise Karfreitag, Buß- und Bettag etc., wo durch anderes Läuten auf den betreffenden Tag hingewiesen werden soll.

Beim Hauptgeläut am Beginn des Gottesdienstes sollte die Gemeinde bereits in der Kirche versammelt sein. Dieses Geläut ist der erste Teil des Gottesdienstes. Bei diesem Läuten werden wir aufgerufen für den Gottesdienst zu beten. Wir beten für die Geistlichen, dass sie die rechten Worte finden. Für die Gemeinde, dass das Wort auf fruchtbaren Boden fällt und die Saat aufgehen kann. Wir beten für die Kirchenmusiker und Kirchner und für alle, die im Dienst der Kirche stehen.

Wir legen im Gebet alles vor Gott ab, was uns vom Eigentlichen trennen will. An dieser Stelle erkennen wir auch die Parallele zu den erwähnten Glöckchen am Priestergewand. Während dieses Geläutes sollte in der Kirche bereits Ruhe sein, damit man dieses „Stille Gebet" wirklich auch in Andacht verrichten kann.

Vielerorts läutet während des im Gottesdienst gebeteten Vaterunsers eine Glocke. Diese zeigt Gemeindegliedern, die krankheits- und altersbedingt oder aus einem anderen Grund den Gottesdienst an diesem Sonntag nicht besuchen können, dass die Gemeinde nun gemeinsam betet. Die verhinderten Gemeindeglieder können dadurch das Vaterunser zu Hause, oder wo sie auch immer die Glocke hören mögen, mit beten.

Kasualien

Das Geläut bei Kasualgottesdiensten (Taufe, Trauung, Beerdigung) ruft die Gemeinde ebenfalls zum Beten auf. Es wäre traurig, wenn wir dieses Läuten nur als feierliche Umrahmung betrachten würde. Auch hier haben die Glocken eine wichtige Aufgabe.

Bei der Taufe rufen sie uns zum Gebet für den Täufling, dass das Kind im Glauben heranwächst und seinen Weg unter Gottes Schutz und Segen gehen kann. Wir beten für die Eltern und Paten, dass sie den Täufling im Glauben erziehen und den Glauben vorleben.

Das Geläut zur Trauung ruft zum Gebet für das Brautpaar. Wir beten um Gottes Segen und Geleit und für einen Weg im Glauben.

Das Geläut zur Beerdigung will uns aufrufen für die Hinterbliebenen zu beten. Wir beten, dass sie am Ende des Tunnels der Trauer das Licht der Auferstehungshoffnung sehen können, dass sie in der Trauer Kraft und Zuversicht erlangen.

Auch das Schlagwerk der Turmuhr, selbst der Uhr im eigenen Zimmer, erinnert uns an Gottes Ewigkeit. Mit einem jeden Schlag rücken wir dieser Ewigkeit ein Stück näher.

Und so könnten wir die Aufgaben der Glocken noch weiter führen. Wie wichtig wäre es, dass wir wieder mehr und intensiver mit dem Klang der Glocken lebten! Wie wertvoll und bereichernd kann es sein, den Ruf der Glocke in den eigenen Tageslauf fest mit einzubinden!

Das Geläut will uns Stütze und Richtschnur in unserem Glaubensleben sein.

 

G. Schlesinger
Schwarzenberger Türmer und Glockensachverständiger

Quelle Foto: travistravis-flickr
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