Die Geschichte der Glocken - Teil II

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Glockengeschichte - Teil II

ein einzigartiges Instrument

Wenn wir nach der Bestimmung der einzelnen Glocken fragten, müssten wir eine lange Reihe aufzählen. Neben den liturgischen Kirchenglocken, sind uns die Rathaus-, Schul- und Uhrglocken bekannt. Einen besonderen Stellenwert in der Glockenlandschaft des Erzgebirges nehmen die Berg- und Häuerglocken ein, die von einer langen Bergbautradition künden.

Die drei Läuteglocken der Lößnitzer St. Johanniskirche

Über Jahrhunderte hinweg oblag das Glockengießen ausschließlich den Mönchen. Nur sie hatten das Privileg dieses einzigartigen Handwerks. Erst mit der ständig wachsenden Nachfrage vieler Kirchen nach geeigneten Glockengeläuten, konnte auch außerhalb der Klöster gegossen werden.

Der Glockenguss ist eines der bedeutendsten Kunsthandwerke. Dabei sind die komplizierten Berechnungen einer Glocke ein wichtiger Hauptbestandteil dieses Berufes. In einer einzigen Glocke soll ein ganzes Orchester von Tönen miteinander harmonieren. Jeder einzelne der zahlreichen Teil- und Obertöne muss sich ins Gesamtgefüge einpassen. Nur so kann ein wohltuender Nominal = Schlagton erzielt werden.
Besonders bei einem mehrstimmigen Geläute ließen schädliche Disharmonien das Zusammenläuten mehrerer Glocken nicht zu.
Die einzelnen Teil- und Obertöne erzielt der Glockengießer in der unterschiedlichen Stärke einer Glockenwandung. Und dies bedarf besonderes Können, sowohl musikalisch als auch rechnerisch.

Erst wenn die Glocke genau errechnet ist, kann der Guss vorbereitet werden. Auch diese Arbeiten fordern fachlich hochwertige Erfahrungen.

Der Guss einer Glocke erfolgt bis heute nach wie vor in reiner Handarbeit und in drei Formteilen. Um genau die zu gießende Glockenform zu erhalten, zeichnet der Glockengießer nach langen und genauen Berechnungen den Querschnitt der gewünschten Glocke auf ein Holz. So entsteht die Schablone, die maßgenau ausgeschnitten werden muss. Danach wird die Schablone drehbar an einer senkrecht stehenden Spindel befestigt.
Nun gilt es in der Gießgrube, aus Lehmsteinen und -schichten um diese Spindel herum den „Kern“ zu formen, der dem Inneren, der „Hohle“ der Glocke entspricht.

Danach bekommt der Kern eine Lehmschicht aufgetragen, die mit der sich kreisförmig drehenden Schablone gleichmäßig auf dem Kern verteilt wird. Nach diesen Arbeitsgängen folgt das Anfertigen der Modellglocke als zweiter Formteil. Da sie sowohl dem Umfang als auch dem Aussehen der späteren Glocke entspricht, nennt man dieses Modell „falsche Glocke“.

Zunächst muss die Schablobe bis zur äußeren Zeichnungslinie weiter ausgeschnitten werden. Dann wird der inzwischen getrocknete Kern mit einer Talgschicht versehen, auf der in mehreren dünnen Schichten wiederum Lehm aufgetragen werden muss. Somit wird nach und nach der Raum zwischen Kern und Schablone geschlossen. Die gewünschten Inschriften und Bilder, die die spätere Glocke zieren sollen, bekommen nun in Form von Wachsmodellen ihren Platz auf der falschen Glocke. Nachdem die falsche Glocke nun auch mit einer Talgtrennschicht versehen wurde, folgt der dritte Formteil, die Anfertigung des Mantels. Dieser Arbeitsgang fordert besondere Sorgfalt.

Wieder werden Lehmschichten aufgetragen. Zunächst findet sehr feiner Lehm Verwendung, um die angebrachten Wachsmodelle nicht zu beschädigen. Dann folgen Schichten mit rauerem Lehm. Außerdem wird der genau berechnete Mantel zur Sicherheit mit Eisenbändern gefasst.
Mit entsprechenden Beheizungen der Glockenform trocknen die einzelnen Schichten. Dabei schmelzen die Talgtrennschichten und Wachsmodelle heraus. Später wird mit Hilfe der Hebetechnik der Mantel vorsichtig von der falschen Glocke abgehoben. In ihm werden nun die seitenverkehrt eingedrückten Inschriften und Verzierungen nachgearbeitet.

Vor dem Glockenguss - die Bearbeitungsstufen - Foto: Andreasdziewior unter GNU GPL

Dann muss die falsche Glocke vorsichtig zerschlagen werden. Somit wird der Hohlraum zwischen Kern und Mantel geschaffen, den die Glockenspeise ausfüllen soll. Nun kann der Mantel wieder passgenau aufgesetzt werden.

Beim Guss entstehen sehr starke Kräfte und Spannungen. Um diese einzudämmen, wird die Gießgrube um die Form herum mit Erde verfüllt. Die Erde muss vorsichtig eingestampft werden.

Bevor der Mantel seine völlige Abdeckung erhält, wird noch die „Glockenkrone“ mit Windpfeifen und dem Eingussloch auf ihm aufgesetzt. Durch die Windpfeifen entweicht beim Guss die Luft aus dem Hohlraum, während des Einlaufens der Glockenspeise. Erst dann kann die Form ihre entgültige Abdeckung erhalten.

In die obere Erdschicht werden nun noch die Kanäle gemauert. Sie transportieren beim Guss als offene Rinnen die Glockenspeise, die in der Regel aus 78% Kupfer und 22% Zinn besteht.

Nun kann die Glockenspeise und der Guss vorbereitet werden. Das Kupfer wird über mehrere Stunden hinweg erhitzt. Um das Verdampfen des Zinns zu vermeiden, kann dieses dem Kupfer erst wesentlich später beigefügt werden.

Nach jahrhundertealter Tradition werden auch heute noch weltweit die Glocken freitags 15 Uhr, zur Zeit der Sterbestunde Christi gegossen.
Der Guss erfolgt meist im Beisein der Auftraggeber und muss zügig und ohne Unterbrechung erfolgen.

Je nach Größe der Glocke, kann Tage später die Form von der sie umgebenden Erde befreit werden. Später wird der Mantel vorsichtig zerschlagen und die Glocke freigelegt.

Nun folgt die Säuberung und die Abnahme durch geprüfte Glockensachverständige. Wird ihr die gewünschte Klangqualität bescheinigt und ist ihr optischer Eindruck zufriedenstellend, kann sie ihrem Bestimmungsort zugeführt und geweiht werden.

Dann erhält sie ihren Platz im Turm, wo sie viele Menschen auf dem Weg durchs Leben begleiten wird.

G. Schlesinger
Schwarzenberger Türmer und Glockensachverständiger

Die Glockengeschichte wird fortgesetzt.


Gemeindekreise

Christenlehre in Lößnitz Kl. 1 - 18. Dezember - 11:30 Uhr
Feierabendkreis & Frauendienst - 18. Dezember - 14:00 Uhr
Christenlehre in Affalter - 18. Dezember - 15:30 Uhr
Junge Gemeinde - 18. Dezember - 19:00 Uhr
Ehe- und Erwachsenenkreis - 18. Dezember - 20:00 Uhr
Christenlehre in Lößnitz Kl. 2 - 19. Dezember - 12:30 Uhr
Frauendienst - 19. Dezember - 14:00 Uhr
Musizierkreis - 19. Dezember - 15:00 Uhr
Christenlehre in Alberoda - 19. Dezember - 16:00 Uhr
Kurrende - 19. Dezember - 16:15 Uhr

Gottesdienste und Veranstaltungen

Andacht im Pflegeheim - 19. Dezember - 10:00 Uhr
Krippenspielprobe in Alberoda - 22. Dezember - 18:00 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Alberoda - 24. Dezember - 15:00 Uhr
Christvesper in Affalter - 24. Dezember - 15:30 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Lößnitz - 24. Dezember - 16:00 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Alberoda - 24. Dezember - 16:30 Uhr
Christmette mit Lößnitzer Weissagung - 25. Dezember - 05:00 Uhr
Christmette mit Krippenspiel in Affalter - 25. Dezember - 05:30 Uhr
Gottesdienst in Alberoda - 25. Dezember - 10:00 Uhr
Landeskirchliche Gemeinschaft Lößnitz - 25. Dezember - 17:00 Uhr