Der Glockengießer

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Glockengießer

Ein besonderer Metallgießer

Unter den Metallgießern nimmt von alters her der Glockengießer eine ganz besondere Stelle ein. Es hat im Laufe vieler Jahrhunderte zahlreiche namhafte Meister dieses Kunsthandwerkes gegeben. Manche unter ihnen, haben sich mit dem Guss ihrer Glocken ein ewiges Denkmal geschaffen.

Blick auf die drei Lößnitzer Läuteglocken.

Leider sind in Kriegszeiten wertvolle Glocken vernichtet worden, und damit ging unwiederbringliches Kulturerbe für immer verloren. Zum einen wurden Glocken für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt und eingeschmolzen. Zum anderen fielen unzählige Glocken immer wieder der Zerstörung und Bombardierung von Städten und Dörfern zum Opfer.

Der Glockengießer.Glücklicherweise sind uns aber noch einige wertvolle Zeugen aus längst vergangener Zeit erhalten geblieben.

Mit dem Guss der Gloriosa des Erfurter Domes wurde der holländische Glockengießermeister Gerhardt van Wou aus Kampen weltberühmt. Ihm gelang dieses Meisterwerk im Jahr 1497, nachdem der Guss anderen Glockengießern zuvor mehrfach misslungen war. Die Erfurter Gloriosa mit ihrem Gewicht von 227 Zentnern gilt als die Königin der Glocken weltweit. Sie ist die größte und bedeutendste mittelalterliche Glocke. Auch wenn es heute längst weitaus größere Exemplare gibt, wird sie die Königin unter ihren Schwestern bleiben.

In Thüringen und Sachsen waren viele bekannte Glockengießerfamilien ansässig. Ob Hilliger oder Große, ob Ulrich oder Schilling, um nur einige wenige zu nennen, alle waren Meister ihres Faches. Und noch heute kann man sich beim Läuten ihrer wenigen noch vorhandenen Glocken von der hohen Qualität überzeugen.

Da die Glockengießer nicht ausschließlich vom Guss der Glocken leben konnten, waren sie oftmals zusätzlich Stückgießer. Auch das Gießen von Kanonen ist in vielen Fällen bezeugt.

Eine besonders schicksalhafte Geschichte nahm dabei die einst im vogtländischen Reichenbach ansässige Glockengießerei Mark ein. Aufgrund fehlender Aufträge goss die Firma für das dem Sachsenland feindlich gesinnte napoleonische Frankreich Kanonen. Daraufhin wurde die Glockengießerfamilie des sächsischen Landes verwiesen und hatte die Möglichkeit sich in der damals französischen Eifel niederzulassen. Noch heute ist die bekannte Eifeler Glockengießerei Mark, wenn auch seit Generationen nicht mehr in Sachsen ansässig, ihrer alten Heimat sehr verbunden.

Immer wieder wurden Glocken zu Kanonen umgegossen und nach den Kriegen wiederum aus den Kanonen Glocken. Die Glocke einer Kirche trägt die Inschrift - auf der Vorderseite:

„Feindlich Geschütz aus Welschen Landen, bin ich als Glock hier auferstanden.
Der Deutsche hat mich dann bekehrt und mich den Friedensdienst gelehrt.“

- und auf der Rückseite:

„Denen ich Tod und Verderben bringen sollte, die machten mich zum Friedensboten“

 

Stahlglocken

Bereits vor der Jahrhundertwende um 1900 goss man als Alternative zu den Bronzeglocken Glocken aus Stahl.

Diese konnten nicht die Klangqualität ihrer bronzenen Schwestern aufweisen und waren auch im Nachhall (Abklingdauer) nicht mit ihnen vergleichbar. Vorteile des Gusses aus diesem minderwertigen Material bestanden aber darin, dass die Glocken zum einen in der Anschaffung wesentlich billiger waren, zum anderen bestand bei ihnen nicht die Gefahr, sie im Kriegsfall von den Türmen holen zu müssen.

Eines der beeindruckendsten Geläute aus dieser Zeit befindet sich im Turm der Friedenskirche Aue-Zelle. Es ist ein Bochumer Stahlgeläut und weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben.

Sowohl im I. als auch im II. Weltkrieg mussten auch aus der Erzgebirgsregion viele Bronzeglocken für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Hochwertigstes Kulturerbe in unermesslichem Maße wurde damit unwiederbringlich zerstört. Einen geringen Bruchteil der abgenommenen Glocken konnte man nach Kriegsende an die Gemeinden zurückführen. Nur ganz wenige besondere Geläute blieben komplett verschont. Beispiele dafür sind das Dreiergeläut von Johanngeorgenstadt und das Lauterer Geläut im Ehrenmal.

Aufgrund der fehlenden Glockenbronze hieß es nun vermehrt Stahlglocken zu gießen. Aber auch mit Eisenhartgussglocken mussten die Gemeinden ihre fehlenden Bronzeglocken ersetzen. Deren Klangqualität unterschritt, bis auf wenige Ausnahmen selbst die der Stahlglocken.

Eine der damals wichtigsten Gießereien für solche „Ersatzglocken“ war die Firma Lattermann in Morgenröthe im Grenzgebiet Erzgebirge-Vogtland. Die bekannte Glockengießerei Schilling in Apolda lieferte dieGlockengießerei in Appolda für den Guss notwendigen Berechnungen der Glocken, nach denen dann in Morgenröthe gegossen wurde. Diese Glocken fertigte man in einer besonderen Legierung – Klanghartguss bzw. Klanghalbstahl.

In Morgenröthe entstanden zahlreiche Geläute, die noch heute im Einsatz sind. Bereits in den Jahren 1926/27 goss diese Firma die Glocken für die Kathedrale und die Allerheiligenkirche zu Riga. Mit einem Gewicht von je 8,5 Tonnen, einem Durchmesser von ca. 2,50 und einer Höhe von etwa 3 m waren diese beiden Glocken die größten hier gegossenen Werke. Aber auch andere berühmte Glocken, wie die für Albert Schweizer in Lambarene, und viele mehr entstammen der Gießerei.

In vielen Kirchen unseres Landes und darüber hinaus erklingen in Morgenröthe gegossene Glocken.

Eines der schönsten, 1947 dort entstandenen Dreiergeläute, befindet sich noch heute im Turm der St. Georgenkirche zu Schwarzenberg. Mit einem Gesamtgewicht von ca. 4000 kg erklingt es täglich über den Dächern der Erzgebirgsstadt. Nachdem die Familie Lattermann 1946 enteignet worden war, lief die Firma später als VEB weiter, brannte 1969 ab und wurde danach nicht wieder in Betrieb genommen.

Damit ist unserer Region eine weithin bekannte Firma verlorengegangen.

G. Schlesinger
Schwarzenberger Türmer und Glockensachverständiger

 


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Junge Gemeinde - 18. Dezember - 19:00 Uhr
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Frauendienst - 19. Dezember - 14:00 Uhr
Musizierkreis - 19. Dezember - 15:00 Uhr
Christenlehre in Alberoda - 19. Dezember - 16:00 Uhr
Kurrende - 19. Dezember - 16:15 Uhr

Gottesdienste und Veranstaltungen

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Familiengottesdienst in Alberoda - 17. Dezember - 10:00 Uhr
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Andacht im Pflegeheim - 19. Dezember - 10:00 Uhr
Krippenspielprobe in Alberoda - 22. Dezember - 18:00 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Alberoda - 24. Dezember - 15:00 Uhr
Christvesper in Affalter - 24. Dezember - 15:30 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Lößnitz - 24. Dezember - 16:00 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Alberoda - 24. Dezember - 16:30 Uhr