Glockenguss in Passau

Geschrieben von Sören Wittstock am .

Fest gemauert in der Erden

Unsere Glocken sind gegossen

Freitag zwischen 4 und 5 Uhr morgens in Lößnitz endete für etwa 50 Gemeindeglieder die Nacht - weit eher als sonst. Kein Wunder, denn der erste Termin des Tages stand schon für 5:30 Uhr im Kalender: "Abfahrt gen Passau - ab Parkplatz"

Glockenguss in Passau

Der Tag, an dem sich das Gelingen unserer neuen Glocken entscheiden würde, war gekommen, sie sollten gegossen werden.

Pünktlich halb sechs starteten wir Sachsen in Richtung Bayern. Bei bestem Wetter fuhren wir auf die Autobahn und der Sonnenschein sollte uns so schnell nicht verlassen.

Alle zwei Stunden war eine Rast angesagt. Da die Straßen frei waren und der eine Unfall unterwegs für nur wenige Minuten Verzögerung sorgte, kamen wir mit einem Stop auf der Hinfahrt aus. Unser Busfahrer war natürlich vorbereitet und hatte Kaffee und Cappuccino fertig, bevor die meisten von der Rastplatztoillette wieder zurück waren. Es war erstmal Frühstückszeit.

Unterwegs machte unsere Reiseleitung in Form von Pfarrerin Bartels ein paar wichtige Ansagen zum Verhalten beim Guss. Nach einiger weiterer Fahrt rollten wir in Passau ein und unter einer 3,6m hohen Baustellenbrücke durch. Zur Verwunderung der dortigen Arbeiter passierte der Bus die Engstelle problemlos.

Ein paar Minuten später waren wir an der Gießerei und packten die wichtigen Sachen wie Kameras aus.

Vor der Gießerei warteten schon die anderen, die im privaten PKW runtergefahren waren, auf uns. Von der Seitenstraße aus konnte man den ersten Blick in die Werkstatt erhaschen und die Flammen aus dem Ofen züngeln sehen. Wir liefen auf den Hof der Glockengießerei Perner.

Empfangen wurden wir von einer Mitarbeiterin, die voller Verständnis fragte, ob ihr Bayrisch zu verstehen sei. "Gieht schu grad su." Neben uns war schon eine östereichische Gemeinde da. Der katholische Herr Pfarrer und die evangelische Frau Pfarrerin begrüßten sich und stimmten eine ökumenische Andacht ab. Nach einigen weiteren einführenden Worten kam auch unser Bürgermeister vorgefahren, gerade noch rechtzeitig, denn die Gießerei war äußerst pünktlich dran. Kurz nach unserem Stadtoberhaupt kam auch die dritte Gemeinde mit ihrem Reisebus auf den Hof gefahren. Eine slovenische Gemeinde, die auch ihre Kinder mitgebracht hatte.

Dann war es soweit, Herr Perner, der Glockengießermeister, sprach auf dem Hof ein paar Worte und erinnerte uns nochmal daran, keine Flüssigkeiten mit an die Grube zu bringen. Wasser und 1100° heiße Glockenspeise geben eine explosive Mischung, die keiner aus der Nähe sehen möchte.

Wir wurden in die Werkstatt geführt. Die Gebläse des Ofens heulten, es war heiß, es war verraucht. Die Glockengießer reinigten die Kanäle von den Resten der Holzkohle, mit der die Lehmziegel trockengeheizt wurden. In den Ofen wurden noch ein paar Brocken Phosphor für bessere Fließeigenschaften gegeben. Mit einem Baumstamm wurde nochmal kräftig untergerührt.

Mehrmals prüfte Herr Perner die Temperatur der Schmelze. Als diese stimmte, zog er eine Probe und goss hinter dem Ofen einen kleinen Barren, den er dann zerschlug, um die Qualität der Glockenspeise zu kontrollieren. Alles passte, es konnte losgehen, Herr Perner läutete eine Glocke am Ofen.

Das Heulen der Gebläse verstummte, die Mannschaft versammelte sich vor dem Ofen, Herr Perner trat vor. Er erzählte kurz und knapp, daß viele Wochen Arbeit mit diesen Glockenformen hinter ihnen liegen, sie alles getan haben, was in ihrer Macht steht, aber jetzt können sie nur noch gemeinsam mit den Gästen hoffen und beten.

Gemeinsam beteten wir und sangen. Kantor Staude verlas noch einmal die Sprüche, die auf unseren Glocken stehen sollen. Herr Perner lief flinken, aber in seinen Sicherheitsschuhen erstaunlich leichten Schrittes zum Ofen, Sichtkontrolle der Temperatur - passt, die deutsche und die österreichische Gemeinde durften dem Gebet und Gesang der slovenischen Geschwister lauschen. Einer Schaufel an der Absperrung vor uns wurde es derweil etwas zu warm und sie fing an zu brennen, was bei den Gießern keine größere Beachtung fand.

Nach dem Vaterunser, war "Bitte Ruhe. Pfeifen auf!" das Kommando vom Meister. Die Abdeckungen der Öffnungen der Glockenformen wurden abgenommen. Schlacke und die brennenden Reste des Rührgeräts wurden aus dem Ofen gefischt. Die Mannschaft der Gießerei stellte sich an den eingegrabenen Formen bereit. Der Ofen konnte nun angestochen werden, um seine 9.000 Kilogramm Bronze freizugeben.

Die Glockenspeise plätscherte aus dem Ofen wie Wasser. In der Werkstatt wurde es immer wärmer, hellorange glühendes Metall floss durch die Kanäle und ergoss sich unter den Füßen der Gießer in die Formen der Glocken. Das sich aufbauende Gemurmel der Menge wurde von Herrn Perner immer wieder mit "Bitte Ruhe!" unterdrückt, der genau hören musste wie sich die Form füllt und seinen Leuten Kommandos geben musste. "Mehr Druck!" das Metall floss und man konnte hellere und dunklere Schlieren fließen sehen, eine Form nach der anderen füllte sich und obenauf bildete sich ein Tümpel glühender Bronze.

Ein Video von unserer großen und der mittleren Glocke:

Unsere drei waren die ersten Glocken, die gegossen wurden. In rascher Folge kamen die anderen dran. Nachdem die Form voll war, wurde der Anguss von oben mit Holzkohle abgedeckt. Sie heizt von oben, damit sich das obere Ende nicht schneller abkühlt als die Form unten. Es gilt, Spannungsrisse zu verhindern. Eine Viertelstunde später war alles vorbei, die Glocken müssen nun zwei Wochen abkühlen. Umso langsamer und länger sie abkühlen, desto haltbarer werden sie. Wenn alles gelingt, können sie dann Jahrhunderte überdauern.

Wir gingen wieder auf den Hof, wo mit dem Ziehkastlspieler der Slovenen und den Getränken und Knabberein der Gießerei Volksfeststimmung ausbrach. Während für die meisten eine Sprachbarriere herrschte, kommunzierte unser Kantor mit der slovenischen Chorleiterin problemlos mit Noten. So sangen und spielten alle gemeinsam und abwechselnd auf dem Hof der Glockengießerei. Herr Perner stand auch noch Rede und Antwort und wir hätten noch den ganzen Abend mit dem Selbstgebackenen der slovenischen Gemeinde verbringen können.

Doch wir wollten auch noch einen kurzen Abstecher in die Stadt machen und einen kurzen Einblick in die Domstadt Passau haben. Wir verabschiedeten diejenigen, die, wie unser Bürgermeister Troll, schon die Heimfahrt antreten mussten. Nachdem auch noch die eine vergessene Jacke aus der Gießerei geholt wurde, fuhren wir auf den zentralen Busparkplatz an der Donau und starteten zum Rundgang durch die Innenstadt.

Wir hätten Glück, wurde uns noch in der Gießerei gesagt, der Dom hat derzeit ein Gerüst weniger. Die "Dauerbaustelle Dom" war schon bei unserer Einfahrt in die Stadt gut zu erkennen. Aber innen ist alles in bester Ordnung. Der Dom St. Stephan empfing uns prunkvoll überladen prächtig, ganz anders als unsere schlichte St.Johanniskirche.

Nach einem Eis an der Ecke bei praller Sonne und luftigen Temperaturen war auch die Zeit bis zur Abfahrt schnell herum. Unser Busfahrer bekam derweil Besuch von einer Politesse - die Welt ist ein Dorf - sie stammt aus Aue.

Halb vier Uhr Nachmittags war Aufbruch in Passau. Um einige Erfahrungen reicher fuhren wir wieder in die Heimat. Während für uns während der Rückfahrt die Temperatur von sommerlichen 28°C schnell auf 14°C sank, kühlen auch unsere Glocken langsam in der Passauer Erde ab.

In die Erd' ist's aufgenommen,
Glücklich ist die Form gefüllt;
Wird's auch schön zu Tage kommen,
Daß es Fleiß und Kunst vergilt?

aus "Das Lied von der Glocke" von Friedrich Schiller

Bildergalerie mit 20 Bildern von der Fahrt nach Passau und dem Glockenguss:

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Quelle Video: Bettina Wittstock
Quelle Bild 079: Heinz Riedel


Gemeindekreise

Kurrende Affalter - 13. Dezember - 14:00 Uhr
Männerkreis - 13. Dezember - 14:00 Uhr
Spatzenkreis - 13. Dezember - 16:00 Uhr
Posaunenchor Affalter - 13. Dezember - 19:30 Uhr
Christenlehre in Lößnitz Kl. 3 - 14. Dezember - 12:30 Uhr
Christenlehre in Lößnitz Kl. 5/6 - 14. Dezember - 15:15 Uhr
Posaunenchor - 14. Dezember - 18:30 Uhr
Kirchenvorstand - 14. Dezember - 19:15 Uhr
Eltern-Kind-Zeit - 15. Dezember - 09:30 Uhr
Christenlehre in Lößnitz Kl. 4 - 15. Dezember - 11:30 Uhr

Gottesdienste und Veranstaltungen

Gottesdienst in Affalter - 17. Dezember - 10:00 Uhr
Familiengottesdienst in Alberoda - 17. Dezember - 10:00 Uhr
Posaunenblasen mit Andacht - 17. Dezember - 14:55 Uhr
Weihnachtsoratorium - 17. Dezember - 18:00 Uhr
Andacht im Pflegeheim - 19. Dezember - 10:00 Uhr
Krippenspielprobe in Alberoda - 22. Dezember - 18:00 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Alberoda - 24. Dezember - 15:00 Uhr
Christvesper in Affalter - 24. Dezember - 15:30 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Lößnitz - 24. Dezember - 16:00 Uhr
Christvesper mit Krippenspiel in Alberoda - 24. Dezember - 16:30 Uhr